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Erforschung der "Blätterhöhle"


Eine bedeutende Fundstelle der Steinzeit




Seit Januar 2011 wird die Erforschung der Blätterhöhle im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Forschungsprojektes am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln durchgeführt. Das Projekt steht unter der Leitung von PD Dr. Jörg Orschiedt und Prof. Dr. Andreas Zimmermann. Die Stadt Hagen und das Historische Centrum Hagen sind Kooperationspartner in diesem DFG-Projekt. Die archäologischen Grabungen wurden im Mai 2011 wieder aufgenommen.


Neue Informationen zu den Grabungen und Forschungsergebnissen des DFG Projektes ab 2011, siehe unten stehender Link:









Lage der Höhle




Die Blätterhöhle ist der heute noch begehbare Überrest einer im westfälischen Hagen gelegenen und ursprünglich größeren Felshöhle. Sie befindet sich in einem sich verengenden Seitental der Lenne am "Weißenstein" in Hagen-Holthausen.

Die großen, leuchtend weißen Kalkfelsen des "Weißensteins" (1572: "Wittenstein") bilden eine weithin sichtbare Landmarke im unteren Lennetal. Topographisch steht das Felsmassiv am Anfang des sich von Hohenlimburg an nach Süden zu einem tiefen Gebirgstal verengenden Flußbereichs der Lenne.

Am "Weißenstein" öffnet sich das Lennetal zu einer weiten Terrassenlandschaft, die im Norden durch das Ruhrtal und die südlichen Ausläufer des Ardeygebirges sowie von dem beherrschenden Syberg (Hohensyburg) abgeschlossen wird.



Fundlandschaft



Die Umgebung der "Blätterhöhle" zählt zu den bedeutendsten Geschichtslandschaften in Nordrhein-Westfalen. Direkt gegenüber der "Blätterhöhle" befindet sich das imposante Felsentor der "Hünenpforte", das den Rest einer gewaltigen Einsturzhöhle darstellt.





Blick in das untere Lennetal, um 1900. Am linken Bildrand liegen die Felsmassive der "Hünenpforte" und des "Weißensteins" rechts das Schloss Hohenlimburg.




Gefäß der jungsteinzeitlichen Bischheimer Kultur, zwischen 4.400 - 4.200 v. Chr. am Übergang vom Mittel- zum Jungneolithikum, Oeger Höhle

In Blickrichtung vom "Weißenstein" nach Süden auf das Schloss Hohenlimburg findet die aus mitteldevonischem Massenkalk aufgebaute Felsformation mit dem Raffenberg, der die Ruine einer kurkölnischen Landesburg aus dem 13. Jahrhundert trägt, einen Abschluss. Die sich daran anschließenden Gebirgszüge gehören bereits zum sauerländischen Bergland.

Südlich wird das Tal durch die 1242 erstmalig urkundlich erwähnte Hohenlimburg abgeriegelt. In diesem engen Talabschnitt liegt im Mündungsbereich des Bachlaufes Nahmer in die Lenne die Oeger Höhle, in der zahlreiche archäologische Funde seit dem Jungpaläolithikum und vor allem aus dem Neolithikum entdeckt wurden.



Martinshöhle am 'Burgberg' bei Letmathe, um 1900

Das Lennetal führt von Hohenlimburg über Oege nach Letmathe. Der dortige 'Burgberg' mit der zerstörten Martinshöhle sowie die Felsgruppe 'Pater und Nonne' mit der Grürmannshöhle zählen zu den "klassischen" Fundstellen aus der Anfangszeit der Steinzeitforschung im 19. Jahrhundert. In der Martinshöhle wurden auch Fundhorizonte aus dem Mittelpaläolithikum entdeckt.

Seit dem Mittelalter ranken sich um die romantisch gelegenen Felsformationen im Lennetal zahlreiche Sagen, Legenden und Mythen. Viele der im Volksglauben überlieferten Geschichten handeln von Riesen, Raubrittern, Zwergen, Werwölfen, Gespenstern und "Weißen Frauen", die sich im Umfeld des "Weißensteins", der "Hünenpforte" und des Raffenberges ihr Unwesen getrieben haben sollen.


Entdeckungsgeschichte



Dass das Felsmassiv des „Weißenstein“ und die Umgebung der Höhle eine alte Fundlandschaft darstellt, belegt ein Aufsatz des vor 200 Jahren verstorbene Elseyer Stiftsprediger Johann Friedrich Möller. Bereits 1801 beschrieb er eine Anzahl von Knochen, die dort einige Jahre zuvor bei Straßenarbeiten aufgefunden wurden. Möller regte daraufhin die Untersuchung dieser Funde durch Georges Cuvier an, dem französischen Naturforscher und Begründer der Paläontologie. Nicht ohne Grund und wahrscheinlich auch mit Recht vermutete er, dass es sich um die Knochen eines Höhlenbären handelte – eine riesige Bärenart, die während der Eiszeit lebte. Aber auch einige Beilklingen aus Stein und Bronze, die heute im Museum für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen der Stadt Hagen zu sehen sind, wurden im frühen 19. Jahrhundert in der Umgebung der Blätterhöhle entdeckt. Teilweise in Sichtweite der Blätterhöhle befinden sich mehrere Oberflächenfundplätze, die seit der mittleren Altsteinzeit vor über 60.000 Jahren immer wieder von Menschen aufgesucht wurden.

Im Frühjahr 2004 entdeckte der Arbeitskreis Kluterthöhle e.V., der im Auftrag der Stadt Hagen die Höhlen im Stadtgebiet untersucht, in der "Blätterhöhle" im Hagener Stadtteil Holthausen die Skelettreste von mehreren Menschen. Obwohl der Höhleneingang bereits seit 1983 bekannt war, konnte die Höhle erst 20 Jahre später speläologisch untersucht werden. Die Entdeckung der Fundstelle führte zu einer kleinen Sensation für die archäologische Forschung - und zu dem wichtigsten Projekt, dass das Historische Centrum Hagen derzeit betreut.

Für die Archäologen und Naturwissenschaftler ist die Fundsituation in der Blätterhöhle einzigartig, denn im mitteleuropäischen Raum haben sich nur sehr wenige Höhle erhalten, die auf diese Weise völlig unberührt von den Grabungen früherer Forscher und Raubgräber geblieben sind. Umfangreiche Ausgrabungen und das Abfahren der Höhlenfüllungen als Dünger sowie auch die Sprengungen für Steinbrüche und den Straßenbau hatten bereits im 19. und 20. Jahrhundert viele Höhlenfundstätten restlos zerstört. Im südwestfälischen Sauerland und auf der Schwäbischen Alb, die höhlenreichsten Regionen in Deutschland, wurden zu dieser Zeit zahlreiche bedeutende Höhlen ausgeräumt. Noch 1875 entdeckte der Bonner Anatom Hermann Schaaffhausen beispielsweise in der benachbarten Martinshöhle im Lennetal bei Iserlohn-Letmathe zahllose Steinwerkzeuge und andere Funde: Nur wenige Jahre danach verschwand diese Höhle in einem Steinbruch.

Deshalb ist es verständlich, dass die Archäologen in Deutschland und Europa mit besonderem Interesse auf die Höhle in Hagen blicken. Denn hier besteht die Chance, zum ersten Mal eine in ihrem ursprünglichen Zustand überlieferte Höhle nach modernen wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen. Diese Situation ist weit über Westfalen hinaus von großer wissenschaftlicher Bedeutung.
Die bisherigen Ergebnisse und Funde, die PD Dr. Jörg Orschiedt und sein Grabungsteam seit Mai 2006 in und vor der Höhle wieder freilegen, lassen Stück für Stück die Siedlungsgeschichte der Blätterhöhle und der südwestfälischen Region nachvollziehbar werden.







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