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Museumsgeschichte, Teil 2


Ideologie und Museum - "Drittes Reich"





Haus Moll, Hagen, 1934

Im "Dritten Reich" wurde das Hagener Museumswesen nicht nur fester Bestandteil der lokalen Kulturpolitik. Die Nationalsozialisten instrumentalisiert die Hagener Museen auch politisch und ideologisch für ihre Zwecke. 1934 ging das „Heimatmuseum“ in den Besitz der Stadt Hagen über. Im früheren Haus Moll von 1725 wurde eine erste öffentliche Dauerausstellung eingerichtet.

1937 bezog das nunmehr als "Haus der Heimat" bezeichnete Museum sein neues Domizil in der Villa Kerckhoff im "Potthof". Das "Haus der Kunst" wird in der Villa Post in Wehringhausen untergebracht. Beide Museen erhalten kurz darauf neue Namen: "Sauerländisches Friedrich Harkort-Museum" sowie "Karl Ernst Osthaus-Museum".




Eröffnung des Heimatmuseums in Hohenlimburg, 12.5.1935

In Hohenlimburg inszenieren die Nationalsozialisten 1935 eine feierliche Eröffnung des örtlichen "Heimatmuseums". Da der Vorsitzende des Trägervereins in Personalunion auch Ortsgruppenleiter der NSDAP war, stand das Museum unter der direkter Kontrolle durch die Partei.




"Sauerländisches Friedrich Harkort-Museum" im Potthof, Hagen, 1939

In Hagen war es nicht viel anders, wenngleich auch etwas professioneller. Im November 1934 wird mit Dr. Gerhard Brüns ein promovierter Prähistoriker und Amtsträger der NSDAP als Museumsleiter eingestellt. Gemeinsam mit dem Hagener Oberbürgermeister und Stellvertretenden Gauleiter Heinrich Vetter führte Brüns unter seiner Regie bis 1939 in Hagen die "Gleichschaltung" des Museumswesens sowie der historischen und kulturellen Vereine durch.

Die Gründung des "Hagener Museumsvereins" stand am Schlußpunkt dieses Prozesses. Im Zuge der "Säuberungen" wurde von Brüns 1937 "entartete Kunst" aus dem Hagener Museumsbesitz entfernt. Die Dauerausstellung im städtischen Geschichtsmuseum war auf der Höhe der nationalsozialistischen Ideologie und Kulturpolitik. "Blut und Boden" sowie ns-konforme Kunst und Geschichtsvorstellungen prägten auch das Sammlungswesen und die Vermittlungsarbeit der Museen in Hagen.



"Arisierung" und Holocaust





Jüdische Frauenhaube, 18. Jahrhundert, ehem. Sammlung Ernst Marx, Hagen

Die Museen in Hagen und Hohenlimburg partizipierten im "Dritten Reich" an der Ausplünderung von Juden. In enger Zusammenarbeit mit der Gestapo und den Finanzbehörden wurden durch den Hagener Museumsdirektor systematisch jüdische Sammlungen sowie einzelne Gegenstände "erworben".

Von den Verkaufserlösen konnten die jüdischen Eigentümer häufig nur einen Bruchteil behalten. Der Großteil des Verkaufswerts musste an die Finanzverwaltung abgeführt werden. Andere Objekte kamen auf dem Weg der "Beschlagnahme" in Museumsbesitz. 1942 wurde von der Hagener Finanzverwaltung das Eigentum von den in Vernichtungslager und Ghettos deportierten Juden "übernommen". Ein Teil kam anschließend in das städtische Museum.

Ähnliches spielte sich in Hohenlimburg ab. Das von dem örtlichen "Verein für Orts- und Heimatkunde" betriebene "Heimatmuseum" erweiterte seine Bestände um zahlreiche "Kulturgüter". Darunter befanden sich auch Gegenstände, die aus jüdischem Eigentum "übernommen" wurden. Neben Objekten, die im Zusammenhang mit jüdischen Kulthandlungen und Festtagen stehen, handelte es sich auch um Alltagsgut - Öfen, Porzellan, Zinngeschirr, Bilder und anderes mehr.

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