Forum "Barbarossa": Beitrag 5 - 2004

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Partisanenkrieg ohne Partisanen: Ein Konstrukt*

von Hans-Heinrich Nolte

Bekanntlich hat der britische Geheimdienst den Funkverkehr, den deutsche Polizeieinheiten in den ersten Monaten des Feldzugs gegen die UdSSR (und teilweise auch später) mit Berlin führten, mitgehört und entschlüsselt.(1) Fast unter jedem Datum meldeten diese deutschen Einheiten an das Reichs-Sicherheits-Hauptamt, dass sie gegen „Partisanen“ zu kämpfen hatten, zum Beispiel der Höhere SS und Polizeiführer Russland Süd am 24. August 1941 aus der westlichen Ukraine (2): Unter „Erstens“ wird über die Standorte, unter „Zwotens“ über Tätigkeiten berichtet, dass der Gegner auf dem Rückzug ist und Brücken bei Korosten in Stand gesetzt wurden:
1.) Zitat: Pol.regt. Süd: Bahnsicherungsdienst ohne Änderung in Verfolgung der Reste neuntes Partisanenbatls. hat kampfkräftige Aufklärung der Pol.-schwadron gegen Mitternacht starkes Feuergefecht mit Feind bei KOLXZIATNIEC, dabei Beobachtung von Leuchtzeichenwechsel zwischen Banditen und Flugzeug; Batl. 314 Säuberungsaktion in Gegend Kowel, Batl.45 in ORZEC und SCHEPATOWKA; Pol.schwadron in POL.NNJE. Drittens Erfolge: 1 SS Brigade: SS I.R. 10 macht 29 Gefangene und erschiesst 65 bolschewistische Juden, SS I.R. 8 macht 19 Gefangene. Pol.regt. Süd: Regt. erledigt bei LABUN nach heftigem Gefecht Fallschirmjägertrupp in Stärke von 7 Mann, der Fernsprechleitungen zerstört hatte. Durch Einsatzgruppe wurden 12 Banditen und Freischärler sowie 70 Juden erschossen. Batl. 314 erschiesst 294 Juden, Batl. 45 61 Juden und Pol.schwadron 113 Juden. Feuerschuporegt. Sachsen bringt im Raum PULIN 6 Gefangene ein. Viertens) Verluste keine.

Am 30. August meldet der Höhere SS und Polizeiführer Mitte, der im Leninhaus in Minsk residiert (3):
2.) Zitat: SS Kav.regt. 1 nach MOROCZ. SS Kav.regt. 2 in BOBRIK. SS Kav.regt.1 : Einschliessung Partisanenverbände ostwärts GRABOR. SS Regt. 2: in östlicher Richtung Gefecht mit Partisanen bei WETCZNY (etwa 30 km. nordostwärts KNITZSEE). Partisanen zum Teil deutsche Uniformen und deutsche Waffen. Regt. 2:in PETRIKOW eingerückt. 12 Plünderer erschossen, 43 Gefangene, deutsche und russische Gewehre erbeutet. Regt. Mitte: keine Standortveränderungen; Befriedung fortgesetzt Gegend GORODISCHTSCHE (30 km. südwärts MOGILEW). Nach Angaben Dorfbewohner von 3 bis 4 haben russische Fallschirmtrupps, Stärke unbekannt, abgesprungen. Propagandamaterial-Fallschirmtrupp offenbar im Feuerkampf vernichtet. Bei Unternehmen 244 russische Soldaten erschossen, 11 Überläufer, 2 Flintenweiber gefangen, 84 Juden erschossen. Batl. 309 nach STARY DOROHI; Befriedung nördlich Rollbahn 1. 53 Gefangene, 2 russische Soldaten erschossen, Hauptmann WINKLER verwundet, bleibt bei Truppe. Batl. 317 unverändert. Batl. 131:Standort RUDNJA, Partisanenbekämpfung. 4 Russen erschossen; 364. Verluste:1 Toter, 2 Verwundete.

Und am 11.September 1941 meldet der Höhere SS und Polizeiführer Russland Mitte(4):
3.) Zitat: 8 km südlich Klitschew Feind berührt. Panzerspähwagen entfernte Sprengladung an Brücke 20 km südlich Drut-Brücke. Bei Rohrkrepierer Granatwerfer 1 Toter, 4 Verwundete. 63 Personen erschossen. SS Kav.Br. schliesst 30 bis 400 Partisanen im Raum KRASSNY OSTROW ein ...

Interpretiert man die Berichte aus den ersten Kriegsmonaten, fällt auf, dass oft zwischen Soldaten und Partisanen unterschieden wird; auch Partisanen tragen aber in 2.) Uniformen. In die Kämpfe greifen sowjetische Fallschirmjäger ein. Wo wie in 3.) „Personen“ benannt sind, wird man sie als Zivilisten zu verstehen haben, die wegen der Sprengladung an der Brücke ermordet werden. Ähnlich scheint der Terminus „Russen“ benutzt zu werden. Die Bezeichnung „Partisanen“ – später bekanntlich mit einer Sprachregelung durch „Banditen“ ersetzt, das als Wort auch hier schon auftaucht – meint offenbar eine andere Gruppe als solche „Russen“ oder „Personen“ : hinter der Front operierenden Einheiten, gleich ob sie aus Komsomolzen oder Soldaten bestanden. Es gibt eigene Verluste, aber wenige.
Grundtenor aller Berichte sind die Morde an Juden, die unter Erfolge eingeordnet sind. Es werden mit Beiläufigkeit Zahlen für Massentötungen angeführt.

Indem die Polizei-Berichte von Partisanen sprechen, entsprechen sie der Wortwahl des Aufrufs des Rats der Volkskommissare vom 29. Juni und vor allem der bekannten Rundfunkrede Stalins vom 3. Juli (5) zum Partisanenkrieg. Schon am 1. Juli hatte das ZK der KP(b)Belorusslands z.B. angeordnet, dass in alle Orten Belorusslands, die vom Gegner besetzt waren, ein enges Netz von Partisaneneinheiten aufgebaut werden solle, und (6)

2.) Alle Orte Belorusslands, die vom Feind eingenommen worden sind, sollen sofort mit einem dichten Netz von Partisaneneinheiten überzogen werden, die einen unablässigen harten Kampf zur Vernichtung des Feindes führen sollen.
3.) In Rajons und Dörfern sind Untergrund-Treffs der Partei und des Komsomol zu errichten, deren Hauptaufgabe es ist, das Volk zur gnadenlosen Abrechnung mit dem Feind zu führen. Deswegen sollen alle Kommunisten und Komsomolzen, die Waffen tragen können, auf dem Territorium bleiben, das vom Feind besetzt ist.

Stalins Aufruf zum Partisanenkampf, der als Rundfunkrede auch auf der deutschen Seite sofort bekannt wurde, wurde von Hitler begrüßt, da er das Vorhaben erleichterte, gegen die Zivilbevölkerung der eroberten Gebiete mit rücksichtslosem Terror vorzugehen. Damit wollte die deutsche Seite auch die Unterversorgung mit Besatzungstruppen ausgleichen, welche dem deutschen Vormarschplan entsprang. Durch die Notlandung eines sowjetischen Kurierflugzeuges kamen im September auch schriftliche Anweisungen der sowjetischen Seite in deutsche Hand.(7)

Aus der Erinnerungsliteratur der Partisanen ergibt sich zumindest in einem Fall,
dass eine versprengte Einheit der 55. Kasaner Schützendivision unter der Führung P.V. Pronjagin (8) im September im westlichen Belorussland, im Raum Slonim, eine deutsche Limousine überfiel, wobei die deutschen Soldaten im Gefecht getötet wurden. Man erbeutete bei diesem Überfall die erste genaue Karte des Gebietes – übrigens eine polnische; Slonim hatte bis 1939 zu Polen gehört und die Soldaten aus Kasan hatten keine präzise Vorstellung von dem Raum, in dem sie sich befanden. Diese Einheit versuchte in dem Dorf Gansevichi von den lokalen Parteimitgliedern und Sympathisanten Unterstützung zu erhalten, musste aber feststellen, dass die deutsche Seite diese schon ermordet hatte. Die Einheit nahm dann Kontakt mit einer einheimischen Partisaneneinheit unter der Führung des Kolchosvorsit-zenden aus dem Flecken Byten Fridrik auf; nach dessen Ermordung vereinigten die beiden Partisaneneinheiten sich. Im Herbst 1941 nahm diese Abteilung Kontakt mit dem jüdischen Widerstand der Stadt Slonim auf und bat sie, bei der Vorbereitung auf den Winter zu helfen; sie erhielt Winterkleidung aus dem Ghetto.(9)

Trotz der zumindest auf der Oberfläche eindeutigen Quellenlage sowohl von sowjetischer wie von deutscher Seite, dass es nämlich von Anfang an bewaffneten Widerstand gegen die deutsche Besatzung durch Gruppen gegeben hat, die sich selbst als Partisanen bezeichneten und auch von der deutschen Seite so bezeichnet wurden, gab und gibt es die These vom „Partisanenkampf ohne Partisanen“.(10) Die These erzeugte die Vorstellung, dass deutsche Einheiten fast ohne Gründe und auch fast wahllos russische Zivilisten ermordet hätten, so wie sie gegen Juden und Kommunisten unzweifelhaft vorgegangen sind. Die These wurde in der „Wehrmachtsaustellung“ popularisiert.

Es ging im Rahmen der „Wehrmachtsausstellung“ insgesamt darum, das Tabu von der „sauberen Wehrmacht“ zu brechen und aufzuzeigen, dass die Wehrmacht vielfältig und von der Planung des deutschen Überfalls auf die UdSSR an in die Verbrechen eingebunden war, die mit dem Ostfeldzug verbunden waren. Die Ausstellung hat eine Veränderung des historischen Bewusstseins in Deutschland in der Breite abgeschlossen, die mit Andreas Hillgruber, Manfred Messerschmidt, Christian Streit, Gerd Ueberschär und Wolfram Wette in den siebziger Jahren in fachwissenschaftlichen Auseinandersetzungen eingesetzt hatte. Die Verdienste der Ausstellung sind m. E. nicht zu bestreiten.(11)

Bedauerlicherweise ist die wissenschaftliche Kritik an einzelnen Fehlern der Ausstellung jedoch zu einer Freund-Feind-Debatte gemacht worden, was sachliche Korrekturen erschwert hat. Dass Fehler vorkommen, nicht nur, aber eben auch bei dem Versuch, einen wissenschaftlich erarbeiteten Tatbestand in verbreitetes Wissen und Texte in Bilder und griffige Formeln umzusetzen, versteht sich von selbst. Hier geht es darum, eine solche Formel als irreführend zu kritisieren, weil sie ein Problem verdeckt, statt auf Forschung über es hin zu führen.(12)

Die sowjetische Historiographie hat in den sechziger und siebziger Jahren das Bild erzeugt, als habe es sofort nach der deutschen Besetzung einen allumfassenden Volkskrieg gegen die deutsche Besatzung gegeben. In Kritik dieses Bild hat die deutsche Forschung früh darauf verwiesen, dass die Partisanenbewegung im Jahr 1941 nicht als Bewegung angesehen werden kann, die wirklich die Massen erreicht hat und dass sie militärisch noch keine große Bedeutung besaß.(13) Es gab wirklich an vielen eroberten Orten einen freundlichen Empfang für die Wehrmacht, und es wurde nicht selten das traditionelle Brot und Salz angeboten. Es gab aber eben auch von Anfang an bewaffneten Widerstand hinter der Front.

Wie soll man das zusammenbringen ? Im vor 1939 polnischen Teil von Belorußland dürften die sozialen und nationalen Auseinandersetzungen der letzten Jahre der Republik eine Rolle spielen. Aber im ehemals sowjetischen ? An anderer Stelle habe ich für einen kleinen Ort im östlichen Belorussland, Klichev bei Bobruisk, den lokalen Verlauf folgendermaßen nachzuzeichnen versucht: Juden aus dieser Kleinstadt flohen noch 1941 in die Wälder, zugleich gründeten Parteigänger der Deutschen den von deutscher Seite propagierten Ordnungsdienst.(14) Im Winter 1941/42 eroberten sowjetische Partisanen die Dörfer, im März 1942 auch die Kleinstadt. Die Wehrmacht kam ihren belorussischen Sympathisanten nicht zu Hilfe. Die Partisanen gründeten einen „befreiten Rayon“.(15)

Von den Partisanen wurden die Belorussen, welche die deutsche Seite wählten, anfangs als Klassenfeinde bezeichnet . Zumindest für diesen kleinen Fall kann man den Ablauf begründet folgendermaßen erklären: im Moment der deutschen Besatzung kommt es zu einer politischen Frontstellung innerhalb der Bevölkerung: ein Teil hofft, den deutschen Überfall zu einer nationalen und sozialen Befreiung von der Herrschaft Moskaus und dem Kolchossystem nutzen zu können und stellt sich auf die deutsche Seite. Dies ist desto leichter möglich, als die kommunistischen Kader zum Teil beim sowjetischen Rückzug evakuiert wurden – entgegen dem oben zitierten Ukas des ZK von Belorussland vom 1. Juli - und zum Teil von der deutschen Polizei bzw. den Einsatzgruppen, z. T. auch von Wehrmachtseinheiten des “Rückwärtigen Heeresgebiets“ ermordet worden sind. Die Folge war, dass der soziale Raum in den Dörfern und kleinen Städten nicht mehr herrschaftlich von der Partei durchstrukturiert war. Die Nationalisten waren auch antisemitisch; ob sie an alten vor- sowjetischen Bewegungen anknüpften, durch die Zwangskollektivierung nach 1929 oder durch die Massaker der Jahre 1937/38 neu antisowjetisch motiviert waren,(16) ist noch nicht deutlich. Diese belorussischen Nationalisten wurden von der deutschen Besatzungsmacht im Stich gelassen, weil der deutsche Angriffsplan alles daran setzte, mit wenig Truppen eine zahlenmäßige Übermacht zu besiegen und die Besatzungstruppen entsprechend dünn waren, und weil die deutsche Führung sich nicht gegenüber Einheimischen binden wollte. Die Kommunistische Partei, welche nun die Partisanenbewegung organisierte, gewann noch am Jahreswechsel 1941/42 in einigen abgelegenen Regionen wieder die Oberhand. Von beiden Seiten wurde die Lage 1942 begrifflich neu festgelegt: die Partei spricht von jetzt an von Vaterlandsverrätern; die Besatzungsmacht von Banden. Eine neue – die zweite – Phase des Partisanenkriegs begann.(17)

Meine These ist also, dass es 1941 in den besetzten Gebieten innerhalb der sowjetischen Gesellschaft zu einer Erneuerung der politischen Auseinandersetzung zwischen „rechts“ und „links“ kam. Die deutsche Historiographie hatte in einer vom Kalten Krieg bestimmten Phase kein Interesse daran, das deutlich zu machen, da deutsche Verbände antikommunistische Verbündete oder Mitläufer im Stich gelassen, also nicht nach der Logik des Antikommunismus, sondern nach eigenen nationalistischen Konzepten gehandelt haben. Die sowjetische Historiographie hatte kein Interesse daran deutlich zu machen, dass es 1941, 24 Jahre nach der Oktoberrevolution, einen massiven innenpolitischen Widerstand gab. Die belorussische Nationalbewegung hatte kein Interesse an dieser Geschichte, weil sie die Bundesgenossenschaft mit dem Nationalsozialismus und den damit zusammen gehenden Antisemitismus in den eigenen Reihen nicht herausheben wollte. Da niemand an diese Gruppen erinnert werden wollte, konnte die Rolle von endogenen antisemitischen, nationalistischen Gruppierungen leicht übersehen werden. Sie haben aber vermutlich die größten Verluste auf der deutschen Seite gehabt – die Partisanen dürften sie bei Einkesselungen lieber angegriffen haben, als Wehrmachtseinheiten, weil sie weniger trainiert und meist mit sowjetischen Waffen ausgerüstet waren, wie sie selbst.

Zum Desinteresse an den nationalistischen Gruppen kam, dass die Herausbildung der Kriegsvariante des Sowjetpatriotismus dann ganz andere Themen in den Vordergrund rückte (18) und die Einheitlichkeit der sowjetischen Bevölkerung betont. Auf der deutschen Seite wiederholt die These vom Partisanenkrieg ohne Partisanen insofern die sowjetpatriotische Position, als sie für die sowjetische Seite einen national einheitlichen sozialen Raum postuliert. Dieser wird trotz der deutschen Besatzung als insgesamt den Deutschen gegenüber neutral oder sogar kooperationsbereit gesehen, und erst deutsche Verbrechen zur Gegenwehr zwingen. Im Grunde wird damit die Vorstellung wiederholt, die Bevölkerung der besetzten Gebiete habe sich bloß als Objekt von Herrschaft verhalten – sei es die eine, sei es die andere.

Das Konzept „Partisanenkrieg ohne Partisanen“ ist also ein Konstrukt. Wie sind aber die Fronten und Kämpfe des Jahres 1941 zu erklären ? Die hier skizzierte These, dass die deutsche Besatzung und das Verschwinden der Partei aus dem Alltag die Bürgerkriegskonfiguration reaktivierte, deren Fronten durch „Entkulakisierung“ und Massenrepressionen vielleicht auch neu formiert worden waren, ist aus dem kleinen Beispiel Klichev begründet, aber selbstverständlich nicht nachgewiesen. Vielmehr soll die Zurückweisung des Konstrukts Raum für weitere Forschung öffnen – Forschung über Bedeutung, Umfang und Zielrichtung der belorussischen Nationalbewegung in den Kriegsjahren und insbesondere in der Anfangssituation Herbst und Winter 1941.

Anmerkungen

(1) Richard Breitman: Official Secrets – What the Nazis planned. What the British and Americans knew. New York 1998.
(2) National Archives, German Police Decodes 24.8.41, Nr.1. Regt. = Regiment, Batl. = Battlion, Pol = Polizei.
(3) National Archives, German Police Decodes 38. 8. 41, Nr. 4. Wie ersichtlich, ging die Polizei von mehreren Partisanenbataillonen aus. Wichtig auch die Überläufer.
(4) National Archives, German Police Decodes 11. 9. 41, Nr. 9.
(5) Nachweise in Hans-Heinrich Nolte: Jüdischer Widerstand und der Beginn des Partisanenkriegs im Russlandfeldzug, in: Deutsches Holocaust Museum, Mitteilungen Nr. 12 (März 2003) S. 22 – 27.
(6) V. F. Shauro predsedatel` redkommissii: Vsenarodnoe partizanskoe dvizhenie v Belorussii v gody Velikoj Otechestvennoj Vojny, Minsk 1967, Tom 1, Nr. 10 –S. 53.
(7) Grundlegend zum Ablauf John A. Armstrong Hg.: Soviet Partisans ind World War II, Madison/Wisconsin 1964.
(8) P. V. Pronjagin: U samoj granice, Minsk 1979, besonders S. 9-13.
(9) Vgl., auch zur weiteren Geschichte, Hans-Heinrich Nolte : O nachalnoj faze partizanskogo dvizhenija v Belorussii 1941-1942, in: O. V. Vorob’eva Hg.: Germanija i nemcy, Lipeck 2002, Festschrift Boroznjak, S. 86 – 92. Deutsch wie Anm. 5 (c.g.s.).
(10) Katalog zur Ausstellung: >Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944< , Leiter der Ausstellung Hannes Heer, Hamburg 1996, S. 138 – 147.
(11)Hans-Heinrich Nolte: Der Krieg im Osten als Vernichtungskrieg. in: Der Präsident des Niedersächsischen Landtags (Hg.): Der Landtag debattiert: Ausstellung „Vernichtungskrieg, Verbrechen der Wehrmacht 1941- 1944 = Schriftenreihe des Niedersächsischen Landtags Heft 33, Hannover 1999, S.43- 68, 2.korrigierte Auflage 1999. Russische Übersetzung u.d.T.: Vojna na Vostoke kak vojna na unichtozhenie, in Rossija XXI vek 3 (1999) S. 16o – 187. Ausführliche Rezension mit Zitaten: Samson Madievskij: The War of Extermination, in: Rethinking History 7:2 (2003) p. 243 – 254.
(12) Textintern ist die Formel unschlüssig, als Vernichtungskrieg (wie Anm. 10) S. 140 auf die versprengten Rotarmisten verwiesen wird , welche ihre Waffen nicht abgaben, und S. 142 das Missverhältnis zwischen gemeldeten Toten und eigenen Verlusten als Argument dafür genommen wird, dass es sich um getötete Zivilisten gehandelt habe, da – so muss man schließen - ausgebildete und bewaffnete Partisanensoldaten sich erfolgreicher gewehrt hätten. Wie die deutsche Seite später noch erfahren sollte, ist es häufig, dass eine Armee auf dem Rückzug höhere Verluste hat als eine im Angriff. Außerdem waren Partisanen, die nicht Soldaten gewesen waren, in den Anfangsmonaten per definitionen schlecht ausgebildet. Und drittens war es eine Regel der bewaffneten Partisaneneinheiten, das offene Gefecht bei Einkesselungen durch überlegene deutsche Verbände zu vermeiden; dass es wenig deutsche Verluste gab, sagt also wenig über die Anwesenheit von Partisanen. Die Massenmorde an Zivilisten, die bei Unternehmungen wie „Bamberg“ gemacht wurden, hatten vielleicht auch die Bedeutung von Morden „anstatt“ der Partisanen. Hinzu kommt jedoch, dass Verluste von einheimischen Verbänden, die auf deutscher Seite kämpften, oft nicht gezählt wurden.
(13) Zur Kritik der These vom allgemeinen Volkskrieg Bernd Bonwetsch: Sowjetische Partisanen 1941 – 1944. in: Gerhard Schulz Hg.: Partisanen und Volkskrieg. Zur Revolutionierung des Krieges im 20. Jahrhundert, Göttingen 1985, S. 92 – 124.
(14) Vgl. zu den belorussischen Nationalisten John Loftus: The Belarus Secret, New York 1989, p. 8 – 33; Jan Zaprudnik: Belarus. At a Crossroads in History, Boulder/Col. 1993, p. 95 – 98.
(15) Vgl., auch zur weiteren Geschichte, Nolte : O nachalnoj faze bzw. Ders. : Jüdischer Widerstand wie oben Anm. 9.
(16) Die Massenrepressionen müssen ja in jedem Dorf Opfer hinterlassen haben; vgl. Jörg Baberowski: Der Rote Terror, München 2003; Hans-Heinrich Nolte: Stalinism as Total War, in: Roger Chickering. Stig Förster Hg.: The Shadows of Total War, Cambridge 2003, S. 295 – 312; Viktor Funk et al.: Zwangsarbeit im Gulag, in: ZEITSCHRIFT FÜR WELTGESCHICHTE 3.2 (2002) S. 25 - 47.
(17) Hans-Heinrich Nolte: Partisan-War in Belorussia as Total War, erscheint in Roger Chickering, Stig Förster Hg.: The Ordeal of Total War, Cambridge 2004.
(18)Vgl auch Hans-Heinrich Nolte: Falling back on nationalism. The shock of 1941 and the Russian Intelligentsia, Ms.

* Vortragstext von Prof. Dr. Hans-Heinrich Nolte für die vom Zentrum für Deutsche Studien des Instituts für Allgemeine Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften Moskau, der Friedrich Ebert Stiftung Moskau und dem Verein für Geschichte des Weltsystems e.V. (Homepage: http://www.vgws.org. ) am 24./25.9.2004 in Moskau veranstaltete internationale Historikertagung "Die deutsche und die russische Auseinandersetzung mit der Diktatur". Der Beitrag wird erscheinen in: Nolte, Hans-Heinrich (Hg).: Die deutschen und die russischen Auseinandersetzungen mit den Diktaturen, Göttingen 2005.

Hans-Heinrich Nolte

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