Antisemitisches Propaganda-Transparent
Hagen-Haspe, Juli / August 1935
Fotograf unbekannt
(c) StadtA Hagen
URL: http://www.historisches-centrum.de/einblicke/pics/200212c.html

Der Fotograf blickt auf das 1943 aufgelöste Amtsgericht Haspe an der Tillmannstrasse (anschliessend Polizeiwache Haspe, 1954 abgebrochen). Das Propaganda-Transparent ist quer über die Gerichtsstrasse gespannt und enthält die antisemitische Parole "Wer den Juden kennt - Kennt den Teufel". Mit Hilfe eines im Nordrhein-Westfälischen Staatsarchiv Münster überlieferten Schriftverkehrs zwischen der Stadtverwaltung Hagen als Ortspolizeibehörde und dem Regierungspräsidenten Arnsberg als Aufsichtsbehörde läßt sich das Foto datieren und ein historischer Kontext herstellen. In einem Schreiben der Stadtverwaltung Hagen an den Regierungspräsidenten Arnsberg wurde am 15. Juli 1935 mitgeteilt, dass die NSDAP-Kreisleitung Hagen die Aufhängung von Transparenten mit z.B. Inschriften "Rassenschande" und "Wer den Juden kennt, kennt den Teufel" gestattet hat (NRW-Staatsarchiv Münster, Reg. Arnsberg, Akte 47679, Schreiben der Stadtverwaltung Hagen v. 15.7.1935, unfol.). Vorausgegangen war eine Beschwerde des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an den Regierungspräsidenten Arnsberg im Juni 1935 über antisemitische Aktionen in Hagen-Haspe gegen jüdische Geschäfte. Es waren Plakate und Transparente verbreitet worden. Gleichzeitig wurden "arische" Kunden beim Einkauf in jüdischen Geschäften fotografiert und jüdische Geschäftsinhaber schikaniert. Während die antijüdischen Aktionen im Juli 1935 aufgrund der Beschwerde des Central-Vereins als "beendet" erklärt wurden, forcierte die NSDAP-Kreisleitung daraufhin die antisemitische Propaganda in diesem Hagener Stadtteil. Die Fotografie zeigt diese öffentlichen antisemitischen Aktionen in Haspe im Sommer 1935. Darüber hinaus dokumentiert das Foto im Kontext zum überlieferten Schriftverkehr, dass die Juden in Hagen auch nach dem so genannten Boykott-Tag am 1. April 1933 und vor dem Pogrom in November 1938 einer massiven und öffentlichen Beeinträchtigungen ausgesetzt gewesen waren. Fotografiert unmittelbar vor Verkündung der Nürnberger Rassegesetze im September 1935, zeigt die Aufnahme, dass Rassismus und Antisemitismus - für jeden sichtbar - längst zu einem öffentlich zur Schau gestellten Propagandamitteil geworden war.