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Ausstellungsbesprechung

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Bayerische Landesausstellung 2002:
Kaiser Heinrich II. (1002-1024)
Bamberg, Alte Hofhaltung, Staatsbibliothek, Diözesanmuseum,
Dom und Westkrypta
9. Juli 2002 - 20. Oktober 2002
WWW: http://www.bayern.de/HDBG/heinrich-site/

Begleitpublikationen:
Ausstellungskatalog:
Kaiser Heinrich II. (1002-1024), hg. von Josef Kirmeier, Bernd
Schneidmüller, Stefan Weinfurter und Evamaria Brockhoff, Stuttgart:
Theis-Verlag, 2002 (Veröffentlichung des Hauses der Bayerischen Geschichte
und Kultur; 44), geb., 400 S., EUR 29,90, ISBN 3806217122

Rezensiert von 
Katrin Westermann M.A., Bamberg
Email: katrin.westermann@gmx.de


"Du Zierde Europas ...", so steht es auf dem Sternenmantel, den ein gewisser Ismahel Kaiser Heinrich II. als Geschenk überreichte, und so könnte auch das heimliche Motto der Ausstellung lauten, wäre es nicht Schweisserarbeiten zum Opfer gefallen. Eine Zierde Europas deshalb, weil Heinrich das Christentum an den Osträndern des Reiches festigte und der Kirche zum Schutze seines Seelenheils viel Schmuck, Gewänder, Bücher und dergleichen vermachte, die in der Kunst wegweisend wurden.

Der erste Raum in der Alten Hofhaltung, dem Hauptort der Ausstellung, zeigt eindrucksvoll den Weg aus der "finsteren Zeit" der Götzenanbetung hin zum "hellen Glanz" des Christentums, vertreten durch eine Kopie des goldenen Antependiums, das Heinrich II. dem Baseler Münster stiftete. Die gesta heinrici sind Themen der nächsten Abteilung. Dokumentiert wird Heinrichs Weg zur Macht, die Konsolidierung der Macht durch die Stiftung des Bistums Bamberg als Abbild Roms sowie seine Herrschaftspraxis.Wenn sich das Konzept auch nicht gleich erschliessen lässt, so ist dieser Teil doch der spannendste und lebendigste der Ausstellung. Viele Gegenstände im Ausstellungsbereich können berührt und im Detail betrachtet werden. Durch die Ausstellung erhalten die für Bamberg alt bekannten Kaisermäntel und Handschriften einen angemessenen Rahmen und neue, verdiente Aufmerksamkeit. Doch während Computerkonsolen in anderen Ausstellungen oft lediglich als Alibi-Funktion für den multimedialen Einsatz dienen, enthalten sie in dieser´Ausstellung weiterführende Informationen zu den präsentierten Einzelobjekten. Auf große Informationstafeln wurde in der gesamten Ausstellung hingegen weitgehend verzichtet, denn die Visualisierung und Inszenierung der Exponate besaß für die Ausstellungsmacher oberste Priorität.

Dies hat Vorteile, aber auch gravierende Nachteile, wie sich bei näherer Betrachtung zeigt. Bedauerlich ist beispielsweise, dass die Diashow über die baulichen Überreste des heinrizischen Bambergs in ein (Grabungs-)Loch projeziert wird. Diese Vermittlungsform verbirgt jedoch den Großteil der präsentierten Informationen Der Rezensentin stellt sich die Frage, ob die starke Hinwendung zur Visualisierung, zur multimedialen Darstellung und zur Inszenierung den Ergebnissen der Pisa-Studie Rechnung tragen soll, gewissermassen als Reminiszenz an einen textfreien Raum. Dieser Eindruck verstärkt sich auch in den übrigen Abteilungen, beispielsweise in dem Ausstellungsbereich über die Stiftungen Heinrichs und Kunigundes zur Ausstattung der Kirchen (Bücher, Mäntel, Reliquiare). Auch dort fehlen Texte gänzlich, die Informationsaufnahme erfolgt über Acousticguides.

Lebendig im Sinne einer museumspädagogischen Vermittlung wird es erst wieder vor der Neuen Residenz sowie im Hof der Alten Hofhaltung. Vorführungen handwerklicher Tätigkeiten, wie Drechseln, Schmieden und Wolle färben, werden dort neben der Errichtung eines Holzhauses aus der Heinrichszeit gezeigt. Vorträge und Theaterstücke runden das Begleitprogramm der Ausstellung ab.

Zur fundierten Information sei der Ausstellungskatalog empfohlen, in dem renommierte Wissenschaftler die neuesten Forschungsergebnisse präsentieren. Die Publikation zeichnet sowohl ein Porträt Kaiser Heinrichs, als auch der Gesellschaft in seiner Zeit. Der Alltag der verschiedenen Bevölkerungsgruppen wird ebenso wie die Rolle der Kirche und das Ansehen eines Kaisers, der durch die Lande zieht, beleuchtet. Kurze Texte von Studierenden zu Einzelthemen der Ausstellung und ausführliche Objektbeschreibungen im Katalogteil machen diese Publikation für alle diejenigen unentbehrlich, die sich mit den Erläuterungen zu den Exponaten in der Ausstellung nicht zufrieden geben wollen.


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Dokument erstellt am 2.10.2002