VL Museen

Virtual Library Museen
Deutschland

Ausstellungsbesprechung

 

ufa99.gif (45410 Byte)

Rezensiert von
Erhard Chvojka,
Historisches Institut, Universität Wien

Das UFA - Plakat
Filmpremieren 1918 - 1943
Eine Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek und der Stiftung Deutsche
Kinemathek in der neuen Ausstellungshalle der Österreichischen Nationalbibliothek
28. Mai - 30. Juni 1999

Österreichische Nationalbibliothek
AURUM
1010 Wien, Josefsplatz 1
http://www.onb.ac.at

Gliederung
Die Ausstellung
Der Katalog


Die Ausstellung

Die Universum Film AG begleitete ihre Kinostarts mit aufwendigen Werbekampagnen. Häufig wurden zu einem Film zwei oder noch mehr Plakate entworfen. In Berlin und Wien, den beiden deutschsprachigen Kinometropolen der Zwischenkriegszeit, wurden für Filmuraufführungen der Ufa jeweils exklusive Uraufführungsplakate gedruckt. Auf Litfaßsäulen, an Häuser- und Plakatwänden, in Buchhandlungen, Cafes, und Hotels, und natürlich im unmittelbaren Bereich der Kinos wurde oft bereits Wochen vor dem Filmstart die Werbetrommel gerührt. Die Ausstellung basiert auf einer Koproduktion der Österreichischen Nationalbibliothek (Wien) und der Stiftung Deutsche Kinemathek (Berlin). Das Konzept der stammt von zwei Mitarbeitern der beiden Institutionen, Christian Maryska (Wien) und Peter Mänz (Berlin). Die Ausstellung wurde bereits zuvor im Kunstforum der GrundKreditbank (Berlin), im Museum of Modern Art (New York) und in der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (Los Angeles) gezeigt und ist jetzt als erste Ausstellung im AURUM, den neuen Ausstellungsräumen der Österreichischen Nationalbibliothek zu sehen.

Am Eingang liegen Informationsblätter in Deutsch und Englisch auf, außerdem befindet sich dort der Katalogverkauf. Die Ausstellung selbst ist in einem langgesteckten Raum untergebracht, der von den Ausstellungsmachenden derart gestaltet wurde, daß der Großteil der Plakate auf einer den Raum durchziehenden „Mittelschiene" angebracht ist, die beiderseits mit Exponaten versehen wurde. Hervorzuheben ist die ausge-zeichnete Beleuchtung sämtlicher Bereiche des Raumes. Indem die BesucherInnen die Schiene entlanggehen, durchlaufen sie die Entwicklung der Ufa-Plakate von 1918 bis 1943. Auf der ersten Seite der Schiene finden sich Plakate aus den Jahren 1919 bis 1929, auf der anderen sind Werke von 1927 bis 1943 zu sehen. Die gesamte Anordnung der Plakate folgt allerdings keiner allzu strengen, sondern nur einer groben Chronologie. So finden sich z.B. auf der ersten Seite der Stellwand Plakate von 1929 vor solchen von 1926. Das Plakat zum „Fürst von Pappenheim" (1927) etwa hängt inmitten von Plakaten aus den Jahren 1919/20. Den allgemeinen Eindruck des Durchlaufens einer auch optisch spürbaren Entwicklungschronolgie der Plakatästhetik stören solche Einzelfälle allerdings nicht. Insgesamt werden 63 Originalplakate in verschiedenen Größen präsentiert.

An den Seitenwänden des Raumes befinden sich drei Texttafeln, wovon zwei im Eingangsbereich eine Chronologie des Unternehmens Ufa von 1917 bis 1945 vermitteln, während eine weitere an der Hinterwand des Raumes auf inhaltlich Aspekte der Plakatwerbekunst der Zwischenkriegszeit bezug nimmt. An derselben Wand befinden sich noch acht kleinere Formate, die u.a. Entsprechungen einiger auch im Großformat auf der Mittelschiene gezeigten Plakate sind, so z.B. zu den Filmen „Morgenrot" (1933), „Meine Frau, die Hochstaplerin" (1931) und „Rivalen der Luft" (1934). An einer der Längsseiten befindet sich ein Computerterminal, an dem der Zugriff auf die von der Österreichischen Nationalbibliothek herausgegebene CD-ROM „Filmplakate der ÖNB von 1910-1995" (Edition 1998) möglich ist. Die CD-ROM bietet eine ausgezeichneten Einblick in die einzigartige Filmplakatsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Sie ermöglicht u.a die Suche nach Filmtiteln, Schauspielern, Premierjahren und kann Interessierten nur ausdrücklich empfohlen werden. Die Aufstellung des Computerterminals im Rahmen der Ausstellung muß besonders begrüßt werden. Unweit vom Computerterminal befindet sich noch ein mit einem Videorecorder gekoppelter Fernseher, auf dem Filmausschnitte aus Ufa-Filmen der Zwischenkriegs-zeit zu sehen sind. Die Qualität der Aufnahmen läßt allerdings etwas zu wünschen übrig, außerdem sind die einzelnen Ausschnitte nicht in bezug auf die Zugehörigkeit zu den jeweiligen Filmen gekennzeichnet.

Die Plakate selbst vermitteln einen ausgezeichneten Überblick über die motivische Entwicklung dieses zentralen Werbemediums der Ufa. Bereits ab dem Film „Madame Dubarry" (1919) sind oft bereits mehrere Plakate zu einem Film zu sehen, deren Motive anfänglich allerdings noch eher verwandt erscheinen. Zum Film „Sumurum" (1920) sind erstmals zwei sehr unterschiedliche Motive auf beiden den Plakaten zu sehen. Eine weitere Besonderheit wird auf den Plakaten zur Uraufführung des Filmes „Die Nibelungen" (1924) sichtbar. Unter insgesamt drei Plakaten eines, das nicht einmal auf den Titel des Filmes verweist, zudem zeigen alle drei Plakate zeigen unterschiedliche Motive. Für das Jahr 1929 wird ein eigenes Plakat zum Anlaß der Eröffnung des „Apollo-Palastes", eines zum Großkino umgebauten Wiener Unterhaltungsetablissements, gezeigt. Für den Film „F.P. 1 antwortet nicht" (1932) ist wiederum ein eigens für das Wiener Apollo-Kino angefertigtes Plakat zu sehen. Ab 1926 findet sich übrigens auf sämtlichen Plakaten das bekannte „Ufa"-Logo, die sog. „Ufa-Raute". Auch zuvor sind die Plakate mit Ufa-Logos versehen, allerdings existiert bis dahin noch kein einheitliches, eine „Coroporate Identity" schaffendes Logo. Gleich sieben Plakate sind zu einem der monumentalsten Ufa-Filme der zwanziger Jahre ausgestellt, nämlich zu Fritz Langs „Metropolis" (1925/26), darunter auch dasjenige, mit dem der Film bis heute konnotiert wird. Dieses Plakat fungiert gleichzeitig als Werbeposter für die gesamte Ausstellung sowie als Coverabbildung des Kataloges. Die Ausstellung präsentiert übrigens zum ersten Mal an einem Ort sämtliche Plakate zu den Ufa-Filmen Fritz Langs: „Dr. Mabuse" (1922), „Die Nibelungen"(1924), Metropolis (1925/26) „Spione" (1928) und „Frau im Mond" (1929).

Bemerkenswert ist die Gegenüberstellung der beiden Plakate zum Film „Ein will in die Heimat" (1934), der in Österreich mit dem abgeänderten Titel „Ein Mann will nach Deutschland" lief. Die Plakate zu den propagandistischen Ufa-Filmen der Nazizeit sind, im Gegensatz zu sämtlichen anderen, bewußt mit ausführlichen Texttafeln zu den Inhalten der Filme versehen. Die Zitate stammen allesamt aus einem Werk von Klaus Kremeier zur Geschichte des Ufa-Konzerns.

Ab 1941 (zuerst sichtbar beim Film „Sieg im Westen") beinhalten die meisten Plakate Fotografien bzw. Fotocollagen, entweder von Szenen aus den Filmen oder von den HauptdarstellerInnen. Bis dahin hatten die Plakate jeweils nur aus Zeichnungen und Grafiken bestanden. Ab 1942/43 verschwinden allerdings Fotografien, z.B. auf den Plakaten für „Münchhausen" oder „Die Goldene Stadt", wieder langsam von den Plakatbildern.

Auf den meisten ausgestellten Plakaten befinden sich Signaturen der Grafiker. Dies stellt eine Besonderheit deutscher Filmplakate dar, im Gegensatz etwa zu US-ameri-kanischen Werken, auf denen durch das strenge Studiosystem ein de facto-Verbot bestand, Plakate zu signieren. Letztere Information ist allerdings nur dem Katalog zu entnehmen.

Ganz allgemein hätte die Ausstellung durchaus etwas mehr Textkommentare verdient, Raum genug wäre in der ansonsten ausgezeichnet genutzten Ausstellungs-halle durchaus vorhanden gewesen. Zahlreiche Hintergrundinformationen, die für das Verständnis der Entwicklung des Ufa-Plakates von Bedeutung wichtig sind, finden sich im Katalog.

Seitenanfang


Der Ausstellungskatalog

Seitenanfang

Der großformatige Katalog zur Ausstellung besteht aus fünf Textbeiträgen sowie aus einem umfangreichen Bildteil, in dem sämtliche in der Ausstellung gezeigten Plakate in ausgezeichneter Qualität reproduziert sind. Letzterer Umstand muß als ganz besonders positiv bewertet werden. Die meisten Plakatbilder sind zudem mit Kommen-taren aus zeitgenössischen Filmjournalen, Zeitschriften und Tageszeitungen und teil-weise mit Ufa-internen Kommentaren versehen. Diese Texte vermitteln einerseits einen exemplarischen Eindruck von der Wahrnehmung und Beurteilung des jeweili-gen Filmes durch die ZeitgenossInnen, aber nicht zuletzt auch anschauliche Einblicke in die Sprache und „Atmosphäre" der Medienberichterstattung zu Filmpre-mieren, wobei häufig, je nach Medium, auch eine dezidiert politische Beurteilung sichtbar wird.

Die Artikelbeiträge umfassen zwar insgesamt nur 18 Textseiten, vermitteln aber dennoch in ihrer äußerst gelungenen Zusammenstellung ein eindrucksvolles Gesamtbild von der Geschichte des Ufa-Konzerns, den Werbemethoden der Zeit bzw. speziell der Ufa, sowie in einem eigenen Beitrag der Bedeutung der Filmplakatsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, die einer der weiltweit größten Sammlungen in diesem Bereich besitzt.

Die Autoren stammen aus den Fachbereichen Geschichte, Kunstgeschichte, Germa-nistik, Volkskunde, Empirische Kulturwissenschaft, Publizistik und Rechtswissen-schaften und sind teilweise mit den Ausstellungsmachern ident. Der Beitrag von Michael Wenk („Die Ufa. Vom Kriegskind zum Medienkonzern") zeichnet die Geschichte des Unternehmens nach: Von seinen Anfängen als Propagandainstrument am Ende des Ersten Weltkrieges, das 1917 auf Initiative des Deutschen Kriegsministeriums gegründet wurde, über die Umwandlung in eine kommer-zielle Filmgesellschaft 1919, die als Ufa in den zwanziger und dreißiger Jahren zum größten deutschen filpmroduzierenden Konzern mit wechselnden Mehrheitsverhältnissen wurde, bis hin zum de facto Propagandainstrument des Nationalsozialismus, ein Prozeß, der nach 1933 durch eine sukzessive personelle und inhaltliche Gleich-schaltung des Unternehmens nach nationalsozialistischen Maximen erfolgte. Wenk zichnet auch noch die Entwicklung der Ufa nach 1945 bis in die Gegenwart nach, eine Epoche, die im Rahmen der Ausstellung – gemäß des definierten Zeitraumes - aber nicht durch Plakaten illustriert ist.

Der Artikel von Michael Töteberg („Reklame! Reklame! Reklame!") beschreibt die Anstrengungen zur Schaffung einer „Corporate Identity" der Ufa, die sich auch ihrem Selbstverständnis nach als „nationaler Filmkonzern Deutschlands" verstand. Die Werbekampagnen für Uraufführungen wurden generalstabsmäßig geplant, wobei von Beginn an das Filmplakat eine zentrale Rolle spielte: „Der Filmkonzern war ein großes Warenhaus, das den breiten Publikumsgeschmack bedienen wollte. Fürs Renomee (und das Bildungsbürgertum) auch Gediegeneres und Kostspieligeres im Angebot hatte. Als aktuelle Gebrauchskunst spiegeln die Plakate mehr die zeitgenössischen Moden und Bildcodes, als die Künstlerindividualität. Avantgardekunst war nicht gefragt. Das Plakat arbeitet die Ikonographie heraus, wird zum Markenzeichen des Films. Es interpretiert den Film, bringt ihn auf eine Formel, ist die bildliche Ent-sprechung der Titelgebung."

Christian Maryska befaßt sich in seinem ersten Beitrag („Bezwingend und kläglich. Die Ufa in Österreich) einerseits mit der vorrangigen Rolle von österreichischen, insbesondere Wiener KünstlerInnen im Rahmen des Ufa-Filmes der Zwischenkriegszeit: „Was Frieda Grafe allgemein für den deutschen Film meint, trifft genauso auf die Ufa im speziellen zu: `Wohin man schaut im deutschen Film, ist Wien, oder besser, die Wiener connection´". Andererseits beleuchtet er den Umgang der Berliner Ufa-Zentrale mit der Kinostadt Wien, die als größter nichdeutscher „Standort" zumindest bis 1938 eine gewisse Autonomie vor allem im Werbebereich besaß. Dies führte u.a. dazu, das die Sujets österreichischer Plakate im allgemeinen „freizügiger" waren als die deutschen Darstellungen. Peter Mänz präsentiert in seinem Aufsatz („Licht und Bewegung an der Theaterfront. Das Ufa-Weihnachtsprogramm 1931") die Mechanismen der Selbstinszenierung und Repräsentation der Filmfabrik Ufa anläßlich eines kommerziellen Großereignisses, in dessen Rahmen es die Ufa verstand, besondere Präsenz zu demonstrieren.

Abschließend widmet sich nochmals Christian Maryska („Die Filmplakat-Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek") dem Aufbau und der Entwicklung eines der weltweit ersten und bis heute bedeutendsten Archive von Dokumenten zum Film. Die Entstehung der Sammlung ist Joseph Gregor zu verdanken, der bereits 1929 begon-nen hatte, die bis dahin geringgeschätzten „Relikte" der Film(werbe)kultur gezielt zu sammeln und zu archivieren. Dank seiner Tätigkeit befindet sich die Österreichische Nationalbibliothek heute im Besitz einer einzigartigen Sammlung von Filmplakaten aus dem Zeitraum von 1910 bis 1955 (siehe dazu auch die bereits im Rahmen der Ausstellungsrezension erwähnte CD-ROM), die als Grundstock die Umsetzung der Ausstellung „Das Ufa-Plakat" erst ermöglichte.

Der Ausstellungskatalog ist sowohl bezüglich seines Inhaltes als auch seiner Buchqualität ganz besonders zu empfehlen. Als einziges Manko des Werkes könnte die Tatsache bezeichnet werden, daß sowohl im Text- wie auch im Bildteil eine Seitennumerierung fehlt. Insgesamt stellt der Katalog jedenfalls eine ganz ausgezeichnete Ergänzung zur Ausstellung dar, ist aber auch für sich allein ein besonders gelungenes Werk.

Seitenanfang


© Erhard Chvojika
Alle Rechte beim Autor und VL Museen
Dokument erstellt am 28.6.1999