VL Museen

Virtual Library Museen
Deutschland

Ausstellungsbesprechung

 

Rezensiert von
Margrit Sollbach-Papeler
Herdecke

Tall Munbaqa
Eine bronzezeitliche Stadt in Syrien

Kultur- und Stadtgeschichtliches Museum, Duisburg
(22. April bis 1. August 1999)

Weitere Ausstellungsorte:
Hamburger Museum für Archäologie (Helms-Museum), 24.9.-22.11.1998
Universität Freiburg, 10.12.1998 -21.2.1999
Münster (Sommer/Herbst 1999)

Website:
http://www.duisburg.de/Kult_Sport/Museen/KSM/ksmsond2.htm
(letzter Zugriff am 9.7.1999)

Katalog
Peter Werner u. a.: Tall Munbaqa. Bronzezeit in Syrien, Hamburg 1998

Gliederung:
Ausstellung
Internet-Präsentation
Katalog


Seitenanfang

Die Ausstellung

Das Kultur- und Stadthistorische Museum Duisburg zeigt im Rahmen der 23. DUISBURGER AKZENTE 1999 "Die neue Stadt. Stadtentwicklung als Stadtkultur" die Sonderausstellung "Tall Munbaqa. Eine bronzezeitliche Stadt in Syrien". Die Präsentation erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Museum für Archäologie. Die Ausstellung wurde zuvor im Hamburger Museum für Archäologie und in der Universität Freiburg gezeigt. Das Hamburger Museum für Archäologie unter der Leitung von Ralf Busch hat diese Ausstellung auch initiiert und konzipiert. Das Stadt- und Kulturgeschichtliche Museum in Duisburg ist die dritte und vorletzte Station der in Zusammenarbeit mit der Altertümerverwaltung und Museen in Syrien präsentierten archäologischen Wanderausstellung.

Blickfang im Mittelpunkt der Eingangsbereich in Duisburg ist eine Gesichtsmaske aus Terrakotta, die bislang die einzige vollständig erhaltene, spätbronzezeitliche Maske in Nordsyrien ist.  Die  Ausstellung beginnt dann mit der geographischen und zeitlichen Fixierung des Tall Munbaqas. Im ersten Teil der Ausstellung werden folgende Themen behandelt:

Syrien zur Bronzezeit.
Tall Munbaqa und seine Umgebung.
Die Entdeckung des Hügels.
Schichtenabfolge und Chronologie.
Die Anfänge der Festung Tall Munbaqa am Euphrat.
Tall Munbaqa während der Mittleren Bronzezeit.

Als Informationsmedium dienen in diesem ersten Teil der Ausstellung vor allem Kartendarstellungen und Skizzen. Der Museumsbesucher erfährt daraus u. a., daß der antike Name dieser Siedlung Ekalte war und diese ihren Höhepunkt in der Späten Bronzezeit, etwa in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr., erlebte. Als Ergänzung der Kartendarstellungen werden in Duisburg noch einige Fundstücke aus dem Raum des Vorderen Orient gezeigt, die aus der Sammlung Köhler-Osbahr stammen und Eigentum des Museums sind.

Die eigentliche Ausstellung beginnt nach Durchschreiten eines Tores, das dem Nordtor in der damaligen Siedlung Ekalte nachempfunden ist. Im Hintergrund des Ausstellungsraumes befindet sich eine große Wand, die dreidimensional einen Einblick in die damalige Stadt gewährt.  Dieser Teil der Exposition befaßt sich mit dem eigentlichen Thema der Ausstellung, der Stadt Tall Munbaqa in der Späten Bronzezeit. Im einzelnen werden behandelt:

Wohnhäuser und tägliches Leben.
Die Stadtstruktur.
Das religiöse Leben.
Das Handwerk.
Wirtschaft und Handel.
Die Tontafeln.

Vor allem durch den Einsatz modernster wissenschaftlicher Verfahren, hier ist an erster Stelle die Magnetprospektion zu nennen, wird es ermöglicht, dem Besucher die Stadt so zu zeigen, wie sie wohl damals ausgesehen hat. Eine besondere Attraktion des Ausstellung ist dabei die Möglichkeit für den Besucher, virtuell auf einem Bildschirm durch die Straßen der damaligen Siedlung zu gehen. Besonders auf Kinder dürfte diese Art, eine Stadt zu erkunden, faszinierend wirken. Die einzelnen Themenblöcke der Ausstellung werden jeweils auf großen Text-Tafeln erläutert. Dazu kommen einzelne Skizzen und Fotos von Computer-Simulationen einzelner Häuser und auch ganzer Straßenzüge. Jedem dieser Bereiche sind die bei den Ausgrabungen in Tall Munbaqa gefunden einschlägigen Objekte zugeordnet. Dabei fällt auf, daß die gezeigten Exponate zumeist fast und teilweise auch gänzlich unbeschädigt sind. Einigen der beschädigten Gegenstände sind vollständige Nachbildungen zur Seite gestellt worden. Den Grund dafür, daß gerade in diesem Tall so viele gut erhaltene Objekte gefunden wurden, erfährt der Museumsbesucher auch: Die Bewohner flüchteten aufgrund eines ausgebrochenen Brandes in aller Hast aus der Stadt und konnten dabei nur das Notwendigste mitnehmen. Die betreffende Brandschicht wurde von den Archäologen auf die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. datiert, also in die dortigen Spätbronzezeit. Von den geflüchteten Bewohnern n Verstecken untergebrachte wertvolle Gegenstände und auch benutztes Gerät blieb so zum Teil unbeschädigt erhalten. So wird in der Ausstellung auch eine Reihe von Schmuckgegenständen wie z. B. Ohrringe gezeigt.

Besonders bedeutende Funde waren aber die zahlreichen Tontäfelchen, die bei den Ausgrabungen u. a. in Fußböden eingegraben, in einem Fall aber auch in einem Art "Wandtresor" versteckt gefunden wurden. Dabei kamen insgesamt 89 spätbronzezeitliche Tontafeln zutage. Fast alle stammen aus Privathäusern und lassen sich Familienarchiven zuordnen. Die meisten dieser Urkunden berichten über Immobiliengeschäfte. Doch es befinden sich auch zahlreiche Testamente und Adoptionsurkunden darunter. Visuell ergänzt wird die Ausstellung durch die bereits erwähnte Video-Projektion sowie durch Filme, die im Eingangsbereich ständig laufen.

Seitenanfang

Internet-Präsentation

Unter http://www.duisburg.de/Kult_Sport/Museen/KSM/ksmsond2.htm ist in der Rubrik "Sonderausstellungen 1999" lediglich eine kurze Beschreibung und das Foto der Gesichtsmaske vorhanden. Im Gegensatz dazu enthält die Webseite des Hamburger Museums sehr gute Informationen über Tall Munbaqe und zur Ausstellung, die unter  http://www.hamburg.de/Helms-Museum/Sonder/munbaqa.html abrufbar ist. Aber auch diese Webpräsenz wird der Ausstellung in keiner Weise gerecht. Es wäre sinnvoller gewesen, eine zentrale Ausstellungsseite einzurichten, die als informative und gut gestaltete Einheit, von sämtlichen Stationen als Referenz angegeben werden kann. Dies ist jedoch ein Problem, das die Mehrzahl der Ausstellungen im deutschsprachigen Raum betrifft, bei Wanderausstellungen jedoch ganz besonders auffällt. Darauf sollten vor allem die Planer von Wanderausstellungen zukünftig achten, um das immer stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit geratende Medium Internet als Marketing- und Präsenzmittel gezielt und konsequent einzusetzen.

Seitenanfang

Der Katalog

Zu der Ausstellung ist ein Ausstellungskatalog mit dem Titel "Tall Munbaqa. Bronzezeit in Syrien erschienen, der Beiträge mehrer Autoren (Peter Werner, Ralf Busch, Horst Klengel und Walter Mayer) enthält. Vorworte haben der Direktor des Hamburger Museums für Archäologie, Ralf Busch, der Generaldirektor der Altertümerverwaltung und Museen in Damaskus, Sultan Muhesen, und der Vorsitzende der Deutschen Orient-Gesellschaft, Gernot Wilhelm, geschrieben. Die einzelnen Sachkapitel behandeln Syrien zur Bronzezeit, Tall Munbaqa und seine Umgebung, die Entdeckung des Talls, die Schichtenabfolge und die Chronologie.

Der umfangmäßig größte Teil des Katalogs widmet sich dem Tall Munbaqa oder Ekalte, wie es früher hieß. Im Teil "Appendix" werden kurz die Typologie der Urkunden über Grundstückskäufe darstellenden Tontäfelchen aus Tall Munbaqa beschrieben, eine Tontafel in Nachzeichnung abgebildet und die darauf enthaltenen Keilschrift-Urkundentexte in Umschrift mit lateinischen Buchstaben wiedergegeben sowie ins Deutsche übersetzt. Das letzte Kapitel des Ausstellungskatalogs befaßt sich mit dem achten Feldzug des Tutmosis III. in seinem 33. Regierungsjahr, wobei mit Hilfe der Datierung der Tontafel 21 aus Tall Munbaqa eine Verbindung zu dem achten Feldzug dieses ägyptischen Pharaos hergestellt wird. Der Anhang des Katalogs enthält eine Literaturliste mit ausgewählten wissenschaftlichen Publikationen (Monografien und Aufsätze) zu Tall Munbaqa. Den Schluß bildet eine kurze Zusammenfassung in englischer Sprache des Inhalts der einzelnen Kapitel des Katalogs sowie eine englische Übersetzung der Bildlegenden-Texte.

Der Katalog ist mit Fotos (zumeist in Farbe) der Exponate, mit Lageskizzen, Aufnahmen vom Grabungsgelände, Nach- und Umzeichnungen sowie Abbildungen der Computer-Simulation der rekonstruierten Stadt Tall Munbaqa von durchweg hervorragender Qualität reich illustriert. Der Katalog bietet eine nicht nur für den Fachmann, sondern auch für den interessierten Laien informative Ergänzung zu der insgesamt gut präsentierten und auch ausreichend informierenden Ausstellung.

Die Ausstellung wird anschließend noch in Münster zu sehen sein. Danach kehrt sie nach Syrien zurück.

Seitenanfang


© Margrit Sollbach-Papeler
Alle Rechte bei der Autorin und VL Museen
Dokument erstellt am 10.7.1999