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Ausstellungsbesprechung


© Museum der Arbeit, Hamburg (K. Plessing)

Tanz um die Banane - Handelsware und Kultobjekt

Museum der Arbeit, Hamburg
21.03. - 28.09.2003
Museum für Technik und Arbeit, Mannheim
16.10. 2003 - 06.01.2004
Staatliches Museum für Naturkunde, Karlsruhe
07.04. - 18.07.2004
Museo del Canal Interoceánico, Panamá
ab November 2004

WWW: http://www.tanz-um-die-banane.de/

Rezensiert von Katharina Schicke M.A., Baruth/Mark


Die Banane hat für uns ihre Exotik verloren. Wir kaufen sie im Supermarkt zu niedrigeren Preisen als heimisches Obst. Jeder weiß, wie sie aussieht, riecht und schmeckt. Die Ausstellung „Tanz um die Banane – Handelsware und Kultobjekt“ verändert die Wahrnehmung der gelben Beere. Sie lässt uns den Blick von Naturforscherinnen und – forschern des 18. und 19. Jahrhunderts einnehmen, die den Pflanzenreichtum der tropischen Zone als „Garten Eden“ wahrnahmen. Sie lässt uns Achtung empfinden vor dem mühevollen „Bananenanbau unter den Bedingungen des Weltmarktes“ und sie lässt uns staunen über die „Banane als Symbolträger“.

Der erste Schwerpunkt der Ausstellung verändert den Blick auf die Banane durch einen Zeitsprung. Als die Banane noch kein Welthandelsprodukt war, existierte sie für die Europäer nur im Bild. Abbildungen in wissenschaftlichen Werken, illustrierten Zeitschriften und auf Postkarten rückten die Banane in den Kontext eines Naturparadieses. Die Künstlerin und Naturforscherin Maria Sybilla Merian (1647 – 1717) beschreibt die Bananenblüte aus eigener Anschauung so: „Die Blüte ist wie eine sehr schöne Blume mit fünf blutroten Blättern, so dick wie Leder, auf der Innenseite mit blauem Tau besetzt.“ Zwei 1705 von ihr gefertigte Kupferstiche wirken in ihrer detailgenauen Widergabe von Form und Farbe paradiesisch. Diesen Original-Darstellungen der Banane sind Reproduktionen von Paradiesdarstellungen des Mittelalters und der frühen Neuzeit in Guckkästen gegenüber gestellt. Hier sind keine Bananen zu finden, sondern die christliche Bildtradition, die die Paradies-Vorstellungen der frühen Forschungsreisenden in die Neue Welt geprägt hat: Sie zeigen Bäume mit Früchten im Überfluss und Adam und Eva nackt. Der Kleidungsstil und die wenig arbeitsaufwändige Ernährungsweise der Einwohner Mittelamerikas ließen die Forschungsreisenden meinen, sie hätten den „Garten Eden“ gefunden. Der Wechsel der Betrachtungsebene vom „Naturparadies“ mit Bananen zum christlichen Paradiesbild ohne Bananen wird durch die Ausstellungsarchitektur markiert. Dennoch wären hier weitere Sehhilfen wünschenswert. Eine reichhaltige Ton-Dia-Schau über die Wanderung der Pflanze vom ostasiatischen Raum über Afrika nach Amerika rundet den Abschnitt ab.

Der Arbeitsaufwand der Bananenproduktion für den Export ist Thema des zweiten Schwerpunkts der Ausstellung. Der sorgfältige Umgang der Arbeiter und Arbeiterinnen mit dem empfindlichen Produkt lässt den Betrachter eine höhere Achtung für das Produkt gewinnen. Ähnlich scheint es dem Ausstellungsteam hier ergangen zu sein. Diese Abteilung zeichnet sich durch eine hohe Sorgfalt und ästhetische Perfektion aus. Die Ausstellungskuratorin Christina Bargholz (Museum der Arbeit Hamburg) und die Gestalterin Saskia Zschoch (Hamburg) haben mit dem Team der Ausstellungstechnik Jürgen Zehnpfennig und Monika Weber (Berlin) eine sehr dichte und ästhetisch anregende Erzählweise geschaffen. Die Objekte dieses Abschnitts sind von der Ausstellungskuratorin vor Ort in den Plantagen zusammengetragen worden. Bargholz hat hierbei auch Farbfotos angefertigt. Die Beschreibungen der Arbeitsschritte von der Pflanzung bis zum Abtransport der Bananen mit Schiffen machen deutlich, dass die Historikerin sehr vertraut ist mit der Materie und auf eine langjährige Erfahrung der musealen Präsentation von Arbeit verfügt. Der dokumentarische Stil der Texte und die Auswahl der Exponate rückt die Menschen, die die Arbeit verrichten auf unsentimentale Weise in den Mittelpunkt. Die Ausstellungsarchitektur und Montage der Objekte machen die Beschäftigung mit dem Thema zu einem Genuss. Die Abteilung ist U-förmig angelegt und wird durchzogen von einem gelben Förderband aus dem ehemaligen Bananenschuppen 46 des Hamburger Hafens, das den hohen Rationalisierungsgrad der Bananenproduktion vor Augen führt. Senkrecht zum in Hüfthöhe angebrachten Förderband sind Wände aufgestellt in Form einer Ziehharmonika, so entstehen zu jedem Arbeitsschritt kleine dreieckige Kabinette. Jedes Kabinett ist mit Arbeitswerkzeugen und Farbfotos bestückt, die die Werkzeuge in Benutzung zeigen. Zehnpfennig und Weber gaben den Wänden einen kräftigen Grünton unreifer Bananen. Vor diesem Hintergrund werden die Werkzeuge und Hilfsmittel der Bananenernte zu Readymades. Die Wirkung der gerade erst aus der Nutzung entfernten Arbeitsmittel und der Fotos ist so unmittelbar, dass beim Betrachten der Eindruck entsteht, selbst die Plantage besucht zu haben. Ein solches Erlebnis kann nur das Medium Ausstellung hervorrufen. Das ist perfekte Ausstellungsarbeit.

Nach dieser farbgesättigten Abteilung hat es der dritte Schwerpunkt der Ausstellung, der den Blick auf die Banane als Symbolträgerin lenkt etwas schwerer. Auf weißen Wänden präsentiert sich die Banane in Kunstwerken (von Andy Warhol bis Michael Sowa), Karikaturen oder im Design von Alltagsgegenständen. Auftakt bildet eine Filmsequenz aus dem „Tanz über den Regenbogen“ mit Josephine Baker im Bananenröckchen. Besonders spannend lässt sich die Bedeutung der Banane als Wohlstandssymbol von der Nachkriegszeit bis zur Wiedervereinigung verfolgen. Zehn armgroße Metallbananen prägen sich dem Betrachter hier besonders ein. Andreas Freyer fertigte sie 1987 als Raumteiler für ein Jugendkulturhaus in Halle und erinnert sich an den „Kitzel, weil es ja in der DDR keine Bananen gab.“

Zur Ausstellung ist ein Begleitband erschienen, der ähnlich der Ausstellungsarchitektur die Farbenwelt der Banane grafisch gekonnt nutzt. Für 23 € erhält der Käufer ein reich illustriertes Lesebuch. Die Ausstellung lockte innerhalb von drei Monaten mehr als 16.000 Besucher und Besucherinnen ins Landemuseum für Technik und Arbeit in Mannheim. Ab dem 07.04.2004 ist die Ausstellung im Naturkundemuseum Karlsruhe und ab November im Museo del Canal Interoceánico de Panamá zu sehen.

 


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Dokument erstellt am 24.1.2004