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Ausstellungsbesprechung

 

romy2.jpg (9069 Byte) Mythos Romy
Verwandlungen, Filme und Leben der Romy Schneider

5.12.1999 – 26.3.2000

Historisches Museum der Pfalz, Speyer
http://www.museum.speyer.de

Rezensiert von
Manuela Roth

"Katalogbuch"
Robert Amos (Hrsg.):
Mythos Romy Schneider. Ich verleihe mich zum Träumen.
ISBN 3-547-78037-3, Ausstellungspreis: DM 49,90


Nachdem schon 1999 das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt (http://www.deutsches-filmmuseum.de/) anlässlich ihres sechzigsten Geburtstags Romy Schneider eine Ausstellung gewidmet hatte, ist nun noch bis einschliesslich 26. März 2000 eine weitere Ausstellung mit dem Titel "Mythos Romy. Verwandlungen, Filme und Leben der Romy Schneider" im Historischen Museum der Pfalz in Speyer zu sehen.
Das Historische Museum hat diese Ausstellung nicht selbst zusammengestellt, sondern das Konzept und die Ausstellung von Robert Amos (CULTURA) übernommen, der seinerseits mit dem Filmmuseum Potsdam (http://www.brandenburg.de/filmmuseum/) zusammen gearbeitet hat.

Der erste Raum der Ausstellung ist offenbar als eine Art atmosphärische Einstimmung auf die Ausstellung gedacht: Portraits wichtiger Weggefährten und –gefährtinnen sind in einem Halbkreis angeordnet. Abwechselnd ertönen Statements über Romy Schneider von Persönlichkeiten wie Alain Delon, Jean Cocteau, Luchino Visconti und Romys Mutter Magda Schneider.

Ansonsten ist die Ausstellung chronologisch angeordnet, d.h. sie beginnt mit der Kindheit und Jugendzeit Romy Schneiders.

Die Räume sind farblich unterschiedlich gestaltet: Die Ausstellung beginnt in Rot, geht über zum Blau, widmet Romy Schneider einen Schrein in einem schwarzen Raum und endet im unschuldigen, himmlischen Weiss. Die sog. Erlebnisräume, wie ein in azurblau gehaltener Raum mit Wasserrauschen oder ein Blitzlichtgewitter, durch das sich die Besucherin (und damit stellvertretend für Romy) hindurchschlängeln musste, ist zwar ein Versuch den Besuchern emotionale und ganz private Zugangsformen zu vermitteln. Das Gelingen dieses Versuches ist jedoch fragwürdig.

Insgesamt besticht die Ausstellung vor allem durch die Anzahl der Exponate, die die Ausstellungsmacher zusammengetragen haben. Zu nahezu jedem Film findet sich das zugehörige Plakat, Statements von Romy Schneider, Filmpartnern und/oder Zeitgenossen/ Weggefährten. Kurzfassungen der Filmstories, Film Stills, Set-Fotos, Filmkritiken und/oder Preise ergänzen dies. Die private Romy wird durch eine Vielzahl  privater Dokumente wie Briefe an ihre Freunde, ihre Familie und/oder an Regisseure, Tagebucheintragungen und Fotos präsentiert.

Allerdings genügt diese Methode nicht, um die Verletzlichkeit und Sensibilität der Romy Schneider zu verdeutlichen. Weshalb ihre Beziehung besonders zu ihrer Mutter so ambivalent war, wird nicht klar genug herausgearbeitet: Ein kleinerer Raum zeigt die Mutter Magda Schneider bei einem Besuch Adolf Hitler. Weshalb dieser Ausschnitt? Hatte Romy Schneider Probleme mit der politischen Orientierung ihrer Eltern? Dem Anspruch der Ausstellung gelebte Zeitgeschichte von der Zeit des Nationalsozialismus an zu zeigen, wird, obwohl dies durchaus ein interessanter und weiterverfolgbarer Ansatz wäre, so jedenfalls nicht gerecht.

Ein grosses Manko der Ausstellung ist, dass nur sehr wenige Filmausschnitte zu sehen sind. Ausgerechnet einen Ausschnitt aus "Sissi", der Romy Schneider Zeit ihres Lebens entfliehen wollte, sowie einen Ausschnitt der César-Verleihung für den Film "Eine einfache Geschichte" 1979, haben die Ausstellungsmacher gewählt. Weshalb aus der grossen Anzahl preisgekrönter Filme, die Romy Schneider in Frankreich gedreht hat, kein einziger, wenn nicht gar mehrere Filmausschnitte zu sehen sind, bleibt ein Rätsel.

Das Ende der Ausstellung ist gewagt: In einem schwarzen Raum steht ein sargähnlicher Schrein, der mit roten Rosen und Fotos Romy Schneiders dekoriert und mit schwarzem Samt ausgelegt, die Besucherin wohl zu einer Trauerminute animieren soll. Im letzten Raum begleitet die Besucherin Romy Schneider, nach einem langen Weg durch einen dunklen Tunnel, ins strahlend weisse Nirvana und versinnbildlicht damit das Fortleben, das Dauerhafte des Mythos Romy Schneider.

Bei aller Kritik jedoch gelingt es der Ausstellung  die Verwandlung Romy Schneiders von der unschuldigen Teenieprinzessin zur alkohol- und nikotinsüchtigen und depressiven Künstlerin zu zeigen, von der ihre beste Freundin Christiane Höller sagte: "[...]Sie gehörte zu den Menschen, deren Gefühl immer auf Berg- und Talfahrt war.[...]".
Ständige Zweifel haben Romy Schneider im privaten wie im beruflichen Leben nie verlassen, letztendlich ist sie daran gescheitert.

Begleitprogramm:

Das Begleitprogramm zur Ausstellung ist eher dürftig. Keine Filmreihe begleitet die Ausstellung. Am Wochenende wird nicht einmal das kleine Kino innerhalb der Ausstellung geöffnet, was gerade an Samstagen und Sonntagen für die cinéphilen BesucherInnen ein Unding ist.

Ausstellungskatalog:

Alle Texte des Katalogs sind mehrsprachig gehalten (Deutsch, Französisch und Englisch). Der Katalog selbst ist in mehrere Bereiche aufgegliedert, die Interviews mit Zeitgenossen und Wegefährten, Lebensbilder, Briefe, Magazintitel, eine Biografie, eine Filmografie sowie eine Chronologie beinhalten.
Leider fehlt dem Katalog eine Einführung, sondern geht unvermittelt in medias res und beginnt mit Interviews. Ansonsten besteht der Katalog aus einer unkommentierten Ansammlung von Fotos, Briefen und Dokumenten, die den akribischen Sammeleifer Robert Amos belegen. Dem Katalog hätte ein Kommentator allerdings gut angestanden. Einer von dem man sich gewünscht hätte, dass er geduldig beim Zusammenfügen des Lebenspuzzles einer verletzlichen und grossartigen Schauspielerin behilflich ist.

Internetpräsentation:

Das Museum verweist in seinen Ankündigungen auf seine Internetseiten (http://www.museum.speyer.de). Zu Romy Schneider gelangt die Internet-Userin nur auf verschlungenen Pfaden. Endlich angelangt, stellt man fest, dass dort nur der Text zu finden ist, der auch im Romy-Schneider-Folder zu lesen ist. Zumindest der Mühe einer Linksammlung zu Romy Schneider hätte sich das Historische Museum der Pfalz unterziehen können.


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Dokument erstellt am 18.3.2000