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Ausstellungsbesprechung

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Byzanz - Das Licht aus dem Osten
Kult und Alltag im Byzantinischen Reich vom 4. bis 15. Jahrhundert

Diözesanmuseum Paderborn

http://www.erzbistum-paderborn.de/museum/
6. Dezember 2001 bis 31. März 2002

Rezensiert von
Georg Pahlke <
pahlke@gmx.de>, Warburg

Öffnungszeiten: tägl. Außer montags von 10:00 bis 18:00 Uhr
Eintritt EURO 6,00 (erm. EURO 4,00), öffentliche Führung, sonntags 15:00 Uhr, Gruppenführungen auf Anfrage

Katalog:
Byzanz - Das Licht aus dem Osten
Kult und Alltag im Byzantinischen Reich vom 4. bis 15. Jahrhundert, hg. v. Christph Stiegemann im Auftrag des Erzbistums Paderborn. Mainz: Philipp von Zabern 2001,
Museumsausgabe (broschiert) EURO 32;00
Buchhandelsausgabe (gebunden) EURO 50,00

Website: <http://www.byzanz2001.de>
(letzter Zugriff: 15.01.2002)

Begleitheft:
Byzanz - Das Licht aus dem Osten.
Vernissage, Die Zeitschrift zur Ausstellung, Nr. 14/01, Heidelberg (Vernissage-Verlag). EURO 5,00


Die Ausstellung

Nach dem unerwartet großen Erfolg der Karolinger-Ausstellung vor zwei Jahren hat sich das Diözesanmuseum in Paderborn jetzt erneut an eine Epochenausstellung gewagt. Im Mittelpunkt steht diesmal Byzanz, das oströmische Kaiserreich und seine rund 1100 Jahre lange Geschichte. Zwar ist der Umfang der Ausstellung mit rund 300 ausgeliehenen Exponaten nicht mit dem im Jahr 1999 zu vergleichen - damals waren es mehr als das Dreifache -, die Thematik ist aber nicht weniger anspruchvoll. Zudem hat sich das vergleichsweise kleine Museum mit seinen Mitarbeitern, anders als vor zwei Jahren ohne die Kooperation mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Stadt Paderborn an die Arbeit gemacht. Das Ergebnis kann sich - um es gleich vorweg zu sagen - sehen lassen.

Dem Besucher öffnet sich zu Beginn der Ausstellung ein Tor in eine andere Welt. Dieses Tor wird durch hintereinander versetzt angeordnete Stoffbahnen gebildet, die ein frühbyzantinisches Kleinod abbilden, das schon in der Karolinger-Ausstellung zu den Highlights gehörte, eine Elfenbeinschnitzerei mit der Darstellung einer Reliquienprozession. Zwei Bischöfe bringen einen Reliquienschrein in eine neu erbaute Kirche, vor der sie vom Kaiser erwartet werden. Mitten durch diese Szene setzt der Besucher seien Weg fort. Eine Lichtinstallation, die Bewegung in die Darstellung bringt, und der Klangteppich orthodoxer Kirchenmusik verstärken das Gefühl, einen anderen "Raum" zu betreten. Eine Symbiose zwischen Heiligem und Profanem, zwischen Staat und Kirche, kaiserlicher Hofzeremonie und liturgischer Feier scheinen durch. Schade nur, dass das Original des Elfenbeintäfelchens aus dem Trierer Domschatz nicht wieder ausgeliehen wurde und der Besucher es nicht im Original betrachten kann.

Was wir heute Byzanz nennen, meint nicht allein die Stadt am Bosporus, die seit dem 4. Jahrhundert den Namen Konstantinopel führt und heute Istanbul heißt. Byzanz ist seit dem 19. Jahrhundert gleichbedeutend mit dem oströmischen Reich, das seinen Anfang im 4. Jahrhundert unter Kaiser Konstantin mit der Verlegung der Hauptstadt nach Osten nahm und das mit der Eroberung durch die moslemischen Osmanen im Mai 1453 schlagartig unterging.
In einer "Zeitreise" ausgehend von diesem Datum schreitet der Besucher auf der ersten Ebene zurück durch die drei Epochen der byzantinischen Kunst- und Kulturgeschichte. Er gelangt in die mittelbyzantinische Zeit, die ebenfalls ihren Abschluss mit einer Eroberung Konstantinopels fand; nur waren es diesmal - im Jahre 1204 - Christen aus dem Westen Europas, Kreuzfahrer auf dem vierten Kreuzzug, die nicht weniger grausam und zerstörerisch vorgingen. Weiter geht es an wenigen, für die jeweilige Epoche charakteristischen Exponaten vorbei in die frühbyzantinische Zeit, deren Beginn - wie schon gesagt - hier mit der Gründung Konstantinopels und dem Ausbau zur Hauptstadt gesetzt wird. An der rechten Seitenwand fällt der Blick auf die Landkarte des byzantinischen Reiches zur Zeit Kaiser Justinians (+ 565) und damit zur Zeit der größten Ausdehnung von Italien über den Balkan, Griechenland, Kleinasien, Syrien, Palästina, Ägypten, Nordafrika bis in den Süden Spaniens, praktisch rund um das Mittelmeer. Die Zeitreise durch gut ein Jahrtausend ist aber politisch nicht ein Weg kontinuierlichen Aufstiegs, sondern ein Pfad des Auf und Abs. Schon gut 100 Jahre nach dem Tod Justinians sieht die politische Geographie ganz anders aus: Syrien, Palästina, Ägypten - die Kornkammer des Reiches -, Nordafrika, der größte Teil Spaniens stehen unter moslemischer Herrschaft, in Italien ist der byzantinische Einfluss auf wenige Territorien geschrumpft.

Am Ende des "Zeittunnels" befindet sich der Besucher vor einem Thronrelief aus dem 5. Jahrhundert. Über den leeren Thron ist eine Chlamys, ein kaiserlicher Umhang gebreitet, auf dem ein Diadem liegt; in der byzantinischen Bildsprache eine Repräsentation des Kaisers selbst, denn im Bild seines Thrones war der Kaiser selber gegenwärtig. Doch die Marmorplatte übersteigt weltliche Dimensionen. Nur noch als Fragment ist über dem Thron eine Taube zu erahnen, Symbol des Heiligen Geistes. Damit ist die Darstellung nicht nur Repräsentation des Kaisers, sondern ebenso des auferstandenen und wiederkehrenden Christus. Weltliche Herrschaft des Kaisers und Weltherrschaft Christi werden so in Beziehung gesetzt. Entstanden in einer Zeit (Anfang 5. Jhd.), in der einerseits das Christentum beginnt, in der Öffentlichkeit eine Rolle zu spielen, gleichzeitig aber die Naherwartung der Parusie in den Hintergrund tritt, erinnert eine solche Darstellung daran, dass der Christos einen neuen Himmel und eine neue Erde bereiten wird. Damit steht die Darstellung des bereiteten Throns für die Thematik der Ausstellung selbst. Die Erfahrbarkeit des Überirdischen, der Blick in die "himmlische Welt", das ist es, was Byzanz in seinen Zeremonien, Kulten und Liturgien bewegt.

Mehr als es im Mittelalter der westlichen Welt je gelang, entwickelte sich in Byzanz eine Symbiose zwischen Profanem und Geistlichem. Ziel der weiteren Präsentation ist es, die Rolle des Religiösen im Sakralen Raum und im Alltag der Menschen zu verdeutlichen. Dazu sind die weiteren Exponate nicht mehr chronologisch, sondern typologisch geordnet. Für den Besucher wird es zur Herausforderung, sich dem nicht nur unserer modernen Zeit, sondern auch unserer westlichen Tradition zugleich fremden und fesselnden Lebensgefühl zu stellen.

Das religiöse Lebensgefühl einer Kultur erschließt sich nicht zuletzt durch ihren Totenkult. Sarkophage aus der Frühzeit des Reiches zeigen den Übergang von der paganen spätantiken Gesellschaft zur christlich geprägten nach der Deklaration des Christentums zur Staatsreligion (392). Im Vergleich der Exponate wird deutlich, dass historische und archäologische Forschung Fragen offen lassen. Während die Ikonographie einer Sarkophagplatte eindeutig christliche Motive zeigt, lassen andere unterschiedliche Deutungen zu. So beispielsweise das Marmorfragment, das den Oberkörper einer Frau zeigt, die ein gewickeltes Neugeborenes in Händen hält. Kind und Mutter schauen einander an, während an der linken Bruchkante ein Teil eines Kranzes zu sehen ist, der darauf hinweist, dass es sich um die Darstellung der Magieranbetung handeln könnte. Untypisch ist aber, dass das Kind ganz der Mutter zugewandt ist und nicht die Anbetenden anblickt. Handelt es sich doch vielleicht um einen Kindersarkophag aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts oder gar um den einer Mutter und ihres Kindes, möglicherweise noch gar nicht aus christlichen Zusammenhängen? Für den Betrachter bleiben Fragen offen, nicht alles ist geklärt. Es bleibt Raum für Phantasie und es wird deutlich, dass der Übergang von der spätantiken Gesellschaft zu einer christlichen nicht mit einem kaiserlichen Befehl vollzogen wurde, sondern es Zwischenstufen und Mischformen gab.

Der Besucher erreicht das eigentliche Zentrum der Ausstellung auf der obersten Etage des Museums. Hier konzentriert sich der größte Teil der aus in- und ausländischen Museen sowie aus Privatbesitz zusammengetragenen Exponate. Byzanz als Wirtschafts- und Handelsmacht wird sichtbar in der Präsentation von Münzen, Stempeln, Siegeln, Waagen; auffällig hier die häufige Verwendung religiöser Symbole und Zeichen: Kreuze, das Christusmonogramm, Engel- und Heiligenfiguren selbst auf so profanen Gegenständen wie Stempeln, Gewichten, Schlüssen und Münzen. Die gleiche Entdeckung macht der Besucher auch in den Vitrinen, in denen Schmuck- und Kleidungsaccessoires ausgestellt sind, christliche Symbolik in Anhängern, Broschen und Gürtelschnallen, ein Zeichen für die Verwurzelung christlicher Religion im Alltagsleben dieses Kulturkreises.

Das Licht aus dem Osten. Mehr als in der westlichen Christenheit spielte das Licht in der sakralen Welt des byzantinischen Reiches eine Rolle. Lampen und Leuchter machen das in der Ausstellung deutlich. Das "lebendige" Licht aus Öllampen war ein wichtiger Bestandteil des Kultes und der Liturgie. Eine ausgefeilte Lichtregie, die die Art und den Umfang der Beleuchtung an bestimmten Festtagen regelte, verbunden mit der Wirkung von flackernden Flammen und dem Spiel von Licht und Schatten, reflektiert durch das Gold, Rot und Blau von Mosaiken und gemalten Ikonen, all das trug dazu bei, dass sich die Gläubigen in einer anderen Sphäre wähnten, dass sich ihnen der Himmel ein Stück öffnete und sie einen Blick in die "andere Welt" werfen konnten.

Beim Betrachten der vielfältigen ein- und mehrflammigen Tonlampen, der Bronzeleuchter und Kandelaber wird sich auch der Halogen- und Neonlicht gewöhnte und lightshowerfahrene Zeitgenosse des 21. Jahrhunderts vorstellen können, welche Faszination von dem Lichtspiel ausging, das solche Leuchten, die wahrscheinlich mit (nicht mehr erhaltenen) bunten Glaseisätzen bestückt waren, erzeugten.

Das Spiel mit dem Licht war nur ein - wenn auch ein besonders wichtiger - Bestandteil höfischer und kirchlicher Zeremonien. Den sakralen Raum und Kult erlebten die Byzantiner mehr als westliche Menschen mit allen Sinnen. Neben dem Schauen spielten das Hören, das Riechen, das Schmecken und das Fühlen eine nicht weniger wichtige Rolle. Bis heute erlebt der westliche Mensch einen orthodoxen Gottesdienst mit einer Mischung aus Faszination und Unverständnis. Das gilt selbst für den christlich sozialisierten Mitteleuropäer, denn in der nachkonziliaren katholischen Liturgie ist die östliche nur schwer wiederzuerkennen. Noch schwieriger ist es, Verbungen zu protestantischen Kulttraditionen zu knüpfen. In der Ausstellung ist für den Besucher diese fremde liturgische Welt leider nur mittelbar über die Exponate und einige Hörbeispiele erfahrbar. Aber Weihrauchfässer und Ikonen, Vortragekreuze und die Darstellung des orthodoxen Kirchenraumes am Beispiel der Hagia Sophia geben doch eine Ahnung von der Reichhaltigkeit der östlichen Liturgie.

Bis zur Auflösung des byzantinischen Reiches verfügte Konstantinopel über die größte christliche Kirche, die Hagia Sophie, die erst nach ihrer Umwidmung zur Moschee vom Neubau des Petersdomes übertroffen wurde. In der Ausstellung wird sie in großformatigen Skizzen als Beispiel orthodoxern Kirchenbaus vorgestellt. Mit ihrer Kuppel, die zu einem vorherrschenden und typischen Bestandteil in orthodoxen Kirchen wurde, schafft sie die Verbindung zum Himmel, was dadurch unterstrichen wird, dass in den Kuppeln der Kirchen Christus als der Pantokrator, der Herrscher über das All, dargestellt wird. Dieser Verbindung zwischen Himmel und Erde in der Vertikalen entspricht in der Horizontalen die Einteilung des Gotteshauses in die Vorhalle (Atrium), das Kirchenschiff (Naos) mit dem Vorschiff (Narthex) und dem einige Stufen höher liegenden Altarraum (Bema). Die Abgrenzung des heiligen Bezirkes, der nur den Priestern zugänglich ist, durch eine Bilderwand, die Ikonostase, wirkt auf den modernen Menschen eher ausgrenzend im Sinne eines übertriebenen "Kastendenkens" und einer starren hierarchischen Ordnung. Der Gedankengang des Byzantiners ging möglicherweise genau in die andere Richtung. Die Bilderwand, die Ein- und Ausgänge besitzt, ist die sichtbare Grenze zwischen dem Profanen und dem Heiligen, die im Gottesdienst durchlässig wird. Die Gläubigen können die Gebete und den Gesang der Priester hören, sie riechen den Weihrauch und nehmen so an den Zeremonien teil, auch wenn sie vor ihren Augen teilweise verborgen sind und immer wieder tut sich die Tür zur heiligen Sphäre auf, der Priester tritt heraus, er schafft die Verbindung zwischen himmlischer und irdischer Welt.

Neben den Zeremonien sind es vor allem die Bilder, Ikonen in gemalter, geschnitzter oder als Mosaik gestalteter Form, die in diesem Grenzbereich menschlichen Lebens als Vermittler auftreten. Das byzantinische Bildverständnis ist von dem unseren, das vor allem durch die Renaissance geprägt ist, völlig verschieden. Wie wir schon im Zusammenhang mit dem "bereiteten Thron" gesehen haben, repräsentieren Bilder für den antiken Menschen den im Bild Dargestellten. Nicht der Künstler spricht durch das Bild zum Betrachter, sondern das oder der Dargestellte spricht den Betrachter direkt an, der Künstler ist nichts als der Vermittler, der "Schreiber". Im Griechischen spricht man davon, dass Ikonen "geschrieben", nicht gemalt werden. Analog dazu werden sie auch nicht betrachtet, sondern "gelesen". Die Ausstellung zeigt eine Reihe unterschiedlicher Ikonen, an denen dieses Bildverständnis deutlich wird. Die Mosaikikone Christus, der Erbarmer aus dem 12. Jahrhundert zeigt Christus vor goldenem Hintergrund, Gold als die Farbe des Göttlichen. Der Dargestellte gehört einer anderen Welt an, diese scheint aber gleichzeitig durch das Bild auf das menschliche Dasein. Die Form des Gottessohnes ist in hohem Grad typisiert, in ähnlicher Form ist er immer wieder zu anderen Zeiten, in anderen Materialien dargestellt worden: schulterlanges Haar, Mittelscheitel, Bart, Gloriole, Evangelienbuch oder Rolle. Es geht dem Künstler nicht darum, sein Bild von Christus darzustellen, sondern durch das (typische) Bild den Pantokrator Christus zu vergegenwärtigen. Undenkbar ist es für den Byzantiner, ein solches Bild als Dekoration oder als Illustration zu verstehen. Es ist Vergegenwärtigung und genießt damit die gleiche Verehrung wie der Dargestellte. Da wundert es nicht, dass im 8. und 9. Jahrhundert ein erbitterter Bilderstreit die byzantinische Gesellschaft zerrissen hat. In erbitterten Auseinandersetzungen kam es zu Zerstörungen, die im Westen selbst im calvinistischen Bildersturm der Reformation keine Parallele haben. Aber es konnte sich letztlich die Partei der Bilderverehrer (Ikonodulen) durchsetzen.

Bilder haben nicht immer einen festen Platz und sind auch nicht nur im sakralen Raum zu finden. Sie sind beweglich, werden im Gottesdienst oder in Prozessionen getragen, sie werden berührt und geküsst, erst recht wenn sie, wie die Kreuzigungsikone aus dem 13. Jahrhundert - ebenfalls ein Mosaik -, umgeben war von Reliquienkapseln, in denen der oder die Heilige(n) noch einmal in anderer Form gegenwärtig sind. Im Falle von Gefahr und Belagerung wurden Ikonen der Schutzheiligen selbstverständlich mit in die Schlacht genommen. Indem man sie über die Mauern trug, empfahl man die Stadt ihrem Schutz. Auch im privaten Raum haben Ikonen ihren Platz, kein Haus ohne Ikone, nichts war schlimmer, als dass die Ikone geraubt oder zerstört wurde.

Die Welt, die durch die Exponate in Paderborn vorgestellt wird, kann in ihrer Faszination und Fremdheit nur bruchstückhaft erfahren werden. Die Ausstellung kommt naturgemäß an ihre Grenzen, wenn es darum geht, die Sinnlichkeit der byzantinischen Welt und Liturgie erfahrbar zu machen.

Der Besucher benötigt Phantasie und Bereitschaft, sich auf das Fremde einzulassen und in ihm vielleicht auch Bekanntes aus der eigenen Tradition zu erkennen. Dem nicht fachkundigen Besucher - wer hat in einer deutschen Schule schon mehr als ein paar Stichworte über die byzantinische Kultur vermittelt bekommen? - ist eine Führung oder die Lektüre des Katalogs zu empfehlen (Öffentliche Führung sonntags 15:00 Uhr, Gruppenführung auf Anfrage). Ein umfangreiches Begleitprogramm gibt dem Besucher aus der näheren Umgebung Gelegenheit, sich intensiver mit der Thematik zu befassen, leider überwiegend auch wieder in Form von Vorträgen, also auf der mehr rationalen Ebene. Konzerte und Lesungen ergänzen das Programm. Für Schüler der Primarstufe und der Sekundarstufe I wird ein museumspädagogisches Programm angeboten. Das Erzbistum Paderborn als Träger des Museums bietet in seiner Tagungsstätte Liborianum für Gruppen Bildungstage an, an denen Gruppen auf den Besuch der Ausstellung vorbereitet werden.

Und für denjenigen, den es nach der Zeitreise durch 1100 Jahre Vergangenheit noch nach einer Stippvisite in der Zukunft gelüstet gibt es ein ganz besonderes Bonbon: Die Kombikarte für die Byzanz-Ausstellung und die Sonderausstellung Computer.Gehirn im Heinz-Nixdorf-Forum in Paderborn (€ 7,50 / erm. € 6,00)

Der Katalog

Der im renommierten Verlag Philipp von Zabern erschienene Katalog bietet auf 412 Seiten eine detaillierte Beschreibung aller Exponate mit qualitativ ausgezeichneten Fotos. Die Texte sind auch für den kunstgeschichtlichen Laien verständlich geschrieben, ein umfangreiches Glossar erlaubt es, Fachbegriffe schnell nachzuschlagen.

Dem Katalogteil ist eine Aufsatzsammlung vorgestellt, die in die Thematik der Ausstellung einführt. Peter Schreiner beschreibt Byzanz als eine Gesellschaft mit drei Kulturen, der des Hofes, des einfachen Volkes und des Mönchtums. Lioba Theis und Michael Kunzler beschäftigen sich mit dem byzantinischen Kirchbau und der Liturgie. Beiden gelingt es, die für unsere westliche Kultur fremde Welt des Sakralen verständlich zu erklären und zu deuten. Ergänzt wird dieser Bereich, der auch in der Ausstellung breiten Raum einnimmt, durch den zweiten Aufsatz von Lioba Theis, in dem sie auf die Lichtsymbolik eingeht. Josef Engemann beschäftigt sich mit dem Pilgerwesen und der Pilgerkunst während Arne Effenberger die Kunst im byzantinischen Alltag beschreibt.

Was für die Beschreibung der Exponate gilt, kann ohne Einschränkung auch von den Essays gesagt werden, sie sind verständlich geschrieben und helfen dem interessierten Besucher sowohl bei der Vor- wie bei der Nachbereitung des Ausstellungsbesuchs. Gewünscht hätte man sich vielleicht noch einen Aufsatz, der die Sprache der byzantinischen Ikonen zum Inhalt gehabt hätte. Obwohl in einigen der genannten Beiträge immer wieder erwähnt, kommt die Thematik etwas zu kurz. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht zwar die byzantinische Kultur, trotzdem wäre im Katalog eine Zeittafel, vielleicht auch mit einigen ergänzenden Karten für den Leser hilfreich gewesen, dem die politische Einordnung wichtig ist.

Die Website

Der Internetauftritt der Ausstellung ist klar gegliedert und übersichtlich. Farblich in Rot-Schwarz-Tönen gehalten fügt sich die Site in das PR-Konzept mit Katalog- , Prospekt- und Plakatgestaltung ein.

Dem potentiellen Besucher werden einige Informationen zum Konzept der Ausstellung gegeben. Als Appetithappen kann er eine Reihe der wichtigsten Exponate im Bild betrachten. Auf der Seite "Basic Infos" sind alle wichtigen Informationen zum Besuch zusammengefasst. Eine Verlinkung mit der Tourist-Information der Stadt erlaubt es, den Besuch logistisch perfekt vorzubereiten. Unter "Termine" ist das Rahmenprogramm zur Ausstellung zu finden, eine Anmeldung zu einzelnen Veranstaltungen ist per E-Mail möglich. Natürlich fehlt auch nicht die Site mit den Sponsoren und Beteiligten an der Ausstellung.

Der lesenswerte Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Peter Schneider (Universität Köln) steht als Download zur Verfügung. Wozu allerdings die Möglichkeit, den Schriftzug "Byzanz" und "Licht aus dem Osten" herunter zu laden gegeben ist, bleibt schleierhaft.

Interessant wäre sicherlich ein Beispiel byzantinischer Kirchenmusik gewesen, wie es in der Ausstellung zu hören ist. Aber auch so macht der Internetauftritt neugierig auf die Ausstellung selbst.

Ärgerlich allerdings ist die sehr schlechte Qualität des Fotos, das den Eingangsbereich zur Ausstellung zeigt (s. Besprechung). Dieses sollte so schnell wie möglich durch ein besseres ersetzt werden.


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Alle Rechte beim Autor und VL Museen
Dokument erstellt am 2.2.2002