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Deutschland

Ausstellungsbesprechung

 

Rezensentin:
Stephanie Marra,
Universität Dortmund

Das Jahrtausend der Mönche. KlosterWelt Werden, 799-1803
26. März bis 27. Juni 1999
Ruhrlandmuseum Essen / Abtei Werden, Essen-Werden
Website: http://www.essen.de/aktuell/ruhrlandmuseum.html
eMail: ruhrlandmuseum@cityweb.de

Ausstellungskatalog
Gerchow, Jan (Hg.):
Das Jahrtausend der Mönche.
KlosterWelt Werden, 799-1803.
Köln 1999

Gliederung
Die Ausstellung
Web-Präsentation
Ausstellungskatalog


Die Ausstellung:

Das Ruhrlandmuseum in Essen, bekannt für große und epochenübergreifende Ausstellungen in den letzten Jahren, präsentiert 1999 "Das Jahrtausend der Mönche. KlosterWelt Werden, 799-1803". Die Ausstellung, die noch bis zum 27. Juni 1999 in den Räumlichkeiten des Ruhrlandmuseums und in der Schatzkammer der Propsteikirche Werden zu sehen ist, schlägt einen weiten Bogen von der Klostergründung der Abtei Werden 799 bis zur Säkularisation durch den Reichsdeputationsausschuß 1803.

Bereits im programmatischen Untertitel "KlosterWelt" wird deutlich, daß der/die Ausstellungsbesucher/in an die vielfältigen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Verbindungen des Klosters zu seiner Außenwelt herangeführt werden soll. Dieser Anspruch wird in den zehn thematischen Sektionen eingelöst, die im Ruhrlandmuseum zu sehen sind. Fünf weitere Ausstellungsbereiche, die sich dezidiert mit Leben, Wirken, Personenkult und Rezeption des Klosterbegründers und Abtes Liudger befassen, werden in der Schatzkammer der Propsteikirche Werden präsentiert.

Nach einer Inszenierung im Eingangsbereich der Ausstellung, betritt der/die Besucher/in die Hauptpräsentationsfläche durch eine Holztür auf der rechten Seite. Akustisch wird der Eintritt durch das laute und nachhaltige Knarren der Tür begleitet. Hier beginnt der Ausstellungsbereich "Disziplin", der neben einer Vielzahl von Urkunden, Regelwerken und Objekten auch in Form einer Wandtafel zum streng reglementierten Tagesablauf der Mönche informiert. Der Bereich "Arbeit" verweist auf die in einem Kloster zu verrichtenden Tätigkeiten, die unabdingbar mit der Kontemplation zu verbinden waren und sich überwiegend auf das Anfertigen und Abschreiben von Büchern bezogen. Anhand von Inszenierungen zur Schrift- und Schreibkultur sowie zur Buchmalkunst werden dem/der Besucher/in beispielsweise die technischen Voraussetzungen und Abläufe dieser Tätigkeiten vermittelt. Wichtige, wenn auch zeitlich eingeschränkte Bereiche des klösterlichen Tagesablaufs, bilden die Gebetszeiten, die in der Sektion "Gebet" durch zahlreiche Exponate (Evangeliare, Breviare, Codices, Heiligenbilder, etc.) veranschaulicht werden. Ein weiterer wichtiger Bereich innerhalb dieser Sektion bildet die Gedenkpraxis (Memoria), die sich mit dem Totengedenken verstorbener Mitbrüder und Familienmitglieder auseinandersetzt.

Das "Wissen" der Mönche bildet einen eigenen Bereich innerhalb der Ausstellung und gewährt einen Einblick in Teile der umfangreichen Bibliothek der Abtei Werden. Hervorzuheben ist neben der Präsentation von Büchern und Buchfragmenten in einer Art Bücherschrank, der Einsatz von Multimedia: Das "Buch der Bücher", die Handschrift "Codex argenteus", die aufgrund ihres konservatorisch ungünstigen Erhaltungszustandes in der Universitätsbibliothek Uppsala nicht mehr zugänglich ist, kann von dem/der Besucher/in nunmehr per CD-ROM aufgeblättert, gelesen und erforscht werden.

Wenig Raum nimmt hingegen der Ausstellungsbereich "Schwestern" ein, der Einblicke in das wesentlich rigidere weibliche Klosterleben vermitteln möchte. Hier wäre sicherlich eine umfassendere Auseinandersetzung mit der gestellten Thematik wünschens- und sehenswert gewesen.

Der Bereich "Reform" wird vornehmlich durch Urkunden, Übersichtskarten und weitere Schriften dargestellt und steht somit ebenfalls dem Materialreichtum einiger anderer Sektionen gegenüber.

"Schutz und Herrschaft", so der Titel des sich daran anschließenden und vielleicht angesichts der territorialen Bedeutung des Klosters Werden im Mittelalter etwas ausführlicheren thematischen Bereichs, befaßt sich mit der Wahrnehmung von weltlicher Herrschaft, Eigentum und Recht. Vermittelt wird somit den Eindruck einer wirklichen Schnittstelle zwischen Kloster und Außenwelt. Kaiserliche und königliche Schutz- und Freiheitsprivilegien bildeten die Basis für den Aufstieg des Klosters zum Reichsfürstentum, begründeten jedoch zugleich eine Abhängigkeit von den Vögten, die für die Durchsetzung und Ausübung klösterlicher Herrschaft erforderlich waren.

Als sinnvolle Ergänzung dazu erscheint die folgende Ausstellungssektion "Ökonomie". Zahlreiche Urbare, Register und umfangreiches Kartenmaterial machen den Umfang der klösterlichen Besitzungen und ökonomischen Rechte deutlich, die die Abtei Werden im Laufe der Jahrhunderte erhalten hat. Der Bereich "Land und Leute" beschäftigt sich mit den adeligen und nichtadeligen Lehnsträgern des Territoriums der Abtei Werden.

Den Abschluß der Ausstellung bildet "Der Staat", der die Unabhängigkeit des Klosters Werden in der Verlauf der Frühen Neuzeit immer wieder bedrohte. Der Säkularisation der Abtei folgte die Konfiszierung der Güter durch den Preußischen Staat, die Auflösung der berühmten Klosterbibliothek sowie die Umwandlung des Abteigebäudes in ein preußisches Zuchthaus für Männer und Frauen (1811-1928). Durch eine Zellentür dieses ehemaligen Zuchthauses verlassen die Besucher/innen die Ausstellung dann gewissermaßen die Geschichte und kehren in die Gegenwart bzw. in die Inszenierung des Eingangbereichs zurück.

Gesamt betrachtet gewährt die Essener Ausstellung, die noch bis zum 27. Juni 1999 zu sehen ist, dem/der Besucher/in einen umfangreichen und detaillierten Einblick in die über tausendjährige Geschichte des Klosters Werden. Die Auswahl und Quantität der Exponate ist größtenteils beeindruckend und den jeweiligen Ausstellungsbereichen angepaßt.

Hinsichtlich der technischen Präsentation der Ausstellung müssen besonders die Beschilderung und die Lichtverhältnisse hervorgehoben werden. Die übergeordneten Bereichstexte z.B. heben sich farblich ab und bieten dem/der Besucher/in eine pointierte und informative Ergänzung zu den gezeigten Ausstellungsstücken der jeweiligen Sektion. Die Lichtverhältnisse sind aufgrund der konservatorischen Bedingungen und Vorgaben reduziert, ermöglichen dem/der Benutzer/in aber dennoch eine "ungetrübte" Betrachtung der gezeigten Objekte und Quellen.

Hinsichtlich der Klientel dieser Ausstellung, die sich verständlicherweise nicht nur aus Fachwissenschaftler/innen zusammensetzt, hätte neben der an einigen Quellen vorgenommenen Zusammenfassung auch eine Transkription der wichtigsten Quellen Sinn gemacht. Auch könnte die Präsentation der optisch hervorstechenden Bereichstexten im Vergleich zu den ungleich einfacheren sowie inhaltlich ebenso anspruchvollen thematischen Texttafeln als störende Diskrepanz empfunden werden. Dies mindert jedoch nicht die hervorragende qualitative Auswahl der Exponate, die eigentlich die Beschilderung in den Hintergrund treten läßt.

Unterstützt wird die Ausstellung durch gut ausgeführte multimediale Einheiten wie die bereits erwähnte CD-ROM "Codex argenteus" sowie durch einen Videofilm über das heutige Klosterleben der Mönche in der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede.

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Zur Präsentation der Ausstellung im Internet:

Auch die Präsentation der Ausstellung im Internet ist erfreulich. Unter der URL http://www.essen.de/aktuell/ruhrlandmuseum.html (letzter Zugriff am 9.6.99 durch die Autorin) werden auf der Haupteinstiegseite die wichtigsten Informationen zur Ausstellung geboten (Adresse, eMail, Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Begleitprogramm, Anfahrtsmöglichkeiten). Als sehr benutzerfreundlich wurde die Download-Möglichkeit von verschiedenen Informationsbereichen mit dem Verweis auf den jeweiligen Umfang der einzelnen Dateien empfunden (Begleitprogramm, Anfahrtsskizze). Zusätzlich dazu können vorab Informationen zu Inhalt und Aufbau der Ausstellung sowie neun Ausstellungsexponate unter dem Verweis "Ausstellungsbeispiele" aufgerufen werden. Alles in allem ein guter und solider Webauftritt der "KlosterWelt" im Internet.

Hinsichtlich dieser Bild- und Datenquellen wäre es sicherlich wünschenswert, wenn die Website auch nach Ausstellungsende noch im Netz verbleiben oder auf den Seiten des Ruhrlandmuseums Essen archiviert werden würde. Ein solches Verfahren entspricht zwar bisher leider noch nicht der üblichen Vorgehensweise, wäre jedoch überdenkenswert, da es sich bei solchen Ausstellungsseiten nicht nur um reine Online-Informationen handelt, sondern um Datenquellen mit abrufbaren Text- und Bildressourcen.

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Ausstellungskatalog:

Zu der Ausstellung ist ein gleichnamiger Begleitkatalog erschienen. Namhafte Mediävist/innen, Kunsthistoriker/innen und Archäolog/innen haben zu diesem umfangreichen und umfassenden Katalog ihren Beitrag geleistet. Der Einführung des Herausgebers bietet einen Überblick über die Entwicklung der Klöster und der Abtei Werden bis 1803. Daran schließt sich eine Zeittafel zur Geschichte der Abtei Werden und ihrer Dependance in Helmstedt an.

Die nachfolgenden fünf thematische Schwerpunkte umfassen verschiedene Beiträge, die auch den nichtwissenschaftlich orientierten Besucher/innen den Zugang zu Alltagsleben, Administration sowie Kunst und Kultur der klösterlichen Welt verschaffen. Neben Beiträgen, die sich dezidiert mit der Abtei Werden, ihrer Dependance in Helmstedt und dem Gründer Liudger befassen, werden auch thematisch übergreifende Aufsätze geboten.

An diese fünf Beitragsschwerpunkte schließt sich ein ebenso umfangreich bebildeter wie sachlich informativer "Katalog der Exponate" an, der in seiner Anordnung den thematischen Sektionen des jeweiligen Ausstellungsortes folgt. Abgerundet wird der Katalog durch ein ausführliches Literatur- und Abbildungsverzeichnis und ein Register.

Ingesamt bietet der Katalog einen sehr guten Überblick über das Ausstellungsthema sowie auch über die Gesamtthematik.

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© Stephanie Marra.
Alle Rechte bei der Autorin und VL Museen
Dokument erstellt am 10.6.1999