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Ausstellungsbesprechung

 

Residenzstadt Düsseldorf - Das Schloss

Stadtmuseum Düsseldorf
17. Oktober 1999 bis 5. März 2000

Website
www.duesseldorf.de/kultur/stadtmuseum/home.htm

Rezensiert von
Stephanie Marra
Historisches Institut, Universität Dortmund

Begleitbuch
Annette Fimpeler-Philippen/Sonja Schürmann: 
Das Schloss in Düsseldorf, Düsseldorf: Droste 1999,
ISBN 3-7700-1120-1'
(wird gesondert rezensiert)


Das Stadtmuseum Düsseldorf ist für ausgefallene Ausstellungskonzepte bekannt. Aus Anlass des 125jährigen Jubiläums des Stadtmuseums präsentierten die rheinischen AusstellungsmacherInnen vom 17. Oktober 1999 bis 5. März 2000 eine Exposition zur Geschichte der Residenz Düsseldorf.

Bekanntlich ist Düsseldorf die heutige Regierungshauptstadt des Landes Nordrhein-Westfalen. Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit hingegen herrschten dort die Grafen von Berg bzw. die späteren Herzöge von Jülich-Kleve-Berg. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kamen Pfalzgrafen, zwischen 1806 und 1813 ein französisches Intermezzo, bis dann das preussische Herrscherhaus die Macht am Rhein übernahm.

Eine vielfältige und besonders auch wechselvolle Geschichte einer Residenz, von der heute freilich nach einem verheerenden Schlossbrand infolge einer Beschiessung durch französische Artillerie im Jahre 1794, einer weiteren Zerstörung durch Feuer im Jahre 1872 sowie durch Abtragung der letzten Baureste nur ein runder Turm übrigblieb. Die Ausstellung operierte daher hauptsächlich mit dem Imaginären, denn bis auf den Turm existiert das Schloss nur noch in der musealen und archivalischen Überlieferung.

Einen imaginären Eindruck hinterliess gleichwohl auch das Ausstellungskonzept. Um es vorauszuschicken: der Rezensentin ist es sehr schwer gefallen, die Aussagen einiger Exponate und Inszenierungen mit den historischen Fakten zusammenzubringen. Zu sehr machte die gesamte Ausstellung den Eindruck einer ungeordneten und unsystematischen, ja sogar halbfertigen Gesamtinszenierung. Dies muss grundsätzlich ja kein Fehler sein, doch können die BesucherInnen aber dennoch durchaus erwarten, dass sich eine historische Ausstellung und deren Exponate in ausreichender und nachvollziehbarer Weise mittels Texte oder sonstiger Hilfsmittel erschliessen lässt. 

In Düsseldorf war das nicht der Fall. Dürftige, zum Teil sogar fehlerhafte, darüber hinaus streckenweise sogar qualitativ unsauber bzw. nachlässig gearbeitete Beschilderungen und geradezu oberflächliche, dem Thema in keiner Weise entsprechende Texttafeln, lassen die kundigen und unkundigen MuseumsbesucherInnen informationslos zurück. Dem gegenüber enthält der „Kurzführer durch die Ausstellung“, der für DM 5,-- zusätzlich zum Eintrittsgeld von DM 10,-- erworben werden kann bzw. muss, wesentlich ausführlichere Informationen zur früheren Residenz und ihrer BewohnerInnen.

Aber auch der Ausstellungsrundgang kann nur schwer nachvollzogen werden. Zwar existieren Raumbezeichnungen, die auch mit dem Kurzführer korrespondieren, doch sind diese aufgrund ihrer ungünstigen Plazierung kaum lesbar. Auch die chronologische Abfolge der Räume und damit der Inhalte folgt keinem logischen Aufbau.

Gut gelungen hingegen war die Inszenierung der archäologischen Überreste der Residenz, die u.a als Lackprofil und als „Schnitt durch ein Kellergewölbe“ dargeboten wurden. Auch die Modelle des Residenzschlosses, die die Entwicklung der Anlage seit dem Mittelalter dokumentieren, hinterliessen einen guten Eindruck, zumal ihre zusammenhängende Präsentation mit historischen Ansichten hier einen besonderen Akzent setzten.

Ungewöhnlich, jedoch nicht im negativen Sinne zu verstehen, erschien die Inszenierung, die die Zerstörung des Schlosses durch Feuereinwirkung symbolisieren sollte. Dieser Art von „Scheiterhaufen“ und „Vernichtung“ war ein gesamter Ausstellungsraum vorbehalten. Eine weitere interessante Inszenierung stellte eine stilisierte Schachpartie dar, die die politischen Implikationen adeliger Heiratsstrategien und deren weitreichende Auswirkungen auf die Individuen versinnbildlichen sollte. Befremdlich und etwas deplaziert wirkte dann hingegen die Umsetzung dieser individuellen Schicksale, vornehmlich die der weiblichen Adeligen, deren Todesumstände beispielsweise durch kleine Figuren mit einem Strick um den Hals dargestellt wurden.

Mehrere nachfolgende Ausstellungsbereiche widmeten sich dem Alltagsleben sowie der Kunst und Kultur am Hofe. Diese Bereiche bemühten sich um eine gewisse Sachlichkeit, zeichneten sich aber dennoch durch den Umstand aus, dass auch hier weitergehende Hintergrundinformationen und biographische Angaben zu den dargestellten Persönlichkeiten fehlten.

Zusammenfassend war der Eindruck dieser Ausstellung trotz mancher sicherlich guter Ansätze eher zwiespältig. Trotz der teilweise aussergewöhnlich exquisiten Exponate kam mitunter der Verdacht auf, dass mehrere AusstellungsmacherInnen mit unterschiedlichen Konzepten ihre gestalterischen Ideen vereinigt haben, ohne einen Konsens zu finden und ihn umzusetzen. Besonders negativ zu bewerten ist die nichtvorhandene Benutzerführung, die es erforderlich macht, einen zusätzlichen „Kurzführer durch die Ausstellung“ zu erwerben, um dem vielzitierten roten Faden folgen zu können.

Die zum Teil mangelhafte ausstellungstechnische Qualität setzt diesem Gesamteindruck noch die Spitze auf. Bei der hohen Anzahl namhafter Sponsoren wäre hier sicherlich eine grössere Qualität der Ausstellung zu erwarten gewesen.


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Dokument erstellt am 29.02.2000