VL Museen

Ausstellungsbesprechung

-

Das verborgene Feuer. Der Bauernführer Joss Fritz und die Bundschuhaufstände am Oberrhein im frühen 16. Jahrhundert
Bruchsal, Schloss Bruchsal
22. Februar - 5. Mai 2002

Website: http://www.bundschuh-web.de

Begleitpublikation:
Thomas Adam: Joss Fritz - das verborgene Feuer der Revolution. Bundschuhbewegung und Bauernkrieg am Oberrhein im frühen 16. Jahrhundert, Bruchsal 2002 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, 20). 320 S. mit zahlreichen, z.T. farbigen Abb., fester Einband. ISBN 3-89735-192-7. Euro 17,90

Rezensiert von
Dr. Sven Lembke, Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte der Universität Freiburg i. Br.
E-Mail: <Sven.Lembke@geschichte.uni-freiburg.de>

Joss Fritz inmitten der bischöflichen Residenz in Bruchsal! Ein Bauer, noch dazu ein Anführer zweier Aufstände im 16. Jahrhundert inmitten des Prunks der weitläufigen, von herrschaftlichem Glanz strahlenden Barockanlage seines bischöflichen Herrn. Dieses Treffen ergibt sich nur in einer anachronistischen Logik. Das grossartige Schloss, in dem die Ausstellung "Das verborgene Feuer. Der Bauernführer Joss Fritz und die Bundschuhaufstände am Oberrhein im frühen 16. Jahrhundert" stattfindet, ist ein Bau, der von Damian von Schönborn, Speyerer Bischof, entworfen und ab 1720 umgesetzt worden ist. Der historische Joss Fritz hat tatsächlich diese Residenz nie betreten. Ja, selbst in den Vorgängerbau hat der historische Joss Fritz vermutlich keinen Zutritt erhalten. Sein Plan, Bruchsal zu stürmen, scheiterte 1502. Nur als Gegenstand historischer Erinnerung zieht er hier ein. Joss Fritz stammt aus Untergrombach, nunmehr einem Stadtteil der Stadt Bruchsal. Die von ihm betriebene Verschwörung der Bauern und Unzufriedenen, in den Worten der Zeit die Aufrichtung eines Bundschuhs, datiert auf das Jahr 1502 und ist nunmehr glatte 500 Jahre vergangen.

Mit diesem Jubeljahr seines Helden legitimiert, schlägt nun die Ausstellung "Das verborgene Feuer", die vom Stadtarchiv und dem Städtischen Museum Bruchsal veranstaltet wird, einen Bogen von bäuerlichen Aufständen des 16. Jahrhunderts am Oberrhein zu spätmittelalterlichen Lebenswelten allgemein. Sie ist Teil des Ausstellungszyklus "Um 1500: Epochenwende am Oberrhein" (http://www.um1500-vers1500.org/deutsch/Bruchsal/Schloss-Bruchsal.html), der seit dem September 2001 Ausstellungen am Oberrhein, darunter z. B. die kürzlich beendete Landesausstellung "Spätmittelalter am Oberrhein" in Karlsruhe, als thematische Einheit darstellt und verbindet. [1]


Die Ausstellung

Die Ausstellung kündigt sich den Besuchern schon im Treppenhaus an. Auf grell roten Plakaten leuchtet das Wort "Freiheit" von der Seitenwand. Zeigt das erste Plakat noch Freiheit im modernen Schriftzug, wandelt sich nach und nach und jeweils zeittypisch das Schriftbild, bis man schliesslich am Ende der Treppe im 16. Jahrhundert und damit am Beginn der Ausstellung angekommen ist. Hier begrüsst die Besucher die Figur eines kriegerischen, vielen wohl noch aus Schulbüchern vertrauten Bannerträgers, der obwohl nur von Pappe, allerdings fester, aufrecht das Panier der "Frÿheit" trägt.

Der erste Raum soll offenbar auf die spätmittelalterliche Lebenswelt einstimmen. Dies geschieht mit Stellwänden oder grossformatigen Wandillustrationen, die knappe und zumeist sachlich zutreffende Texte und vor allem hochwertige Reproduktionen von Bildern des 16. Jahrhunderts zeigen. Dabei geht es z. B. um "Die Epoche des Geldes" oder "Die Heimat des Joss Fritz". Als eigentliche museale Exponate lenken spätmittelalterliche Plastiken von St. Kosmas und Damian, die aus dem Freiburger Augustinermuseum stammen, den Blick auf sich. Diese Heiligen stehen hier, weil sie als Patrone der Untergrombacher Dorfkirche verehrt wurden.

Schon nach einem ersten Umblick ist klar: Hier wurde nicht die Zurschaustellung besonderer Objekte beabsichtigt, die Würde und Aura durch Geschichte und Tradition erlangt haben, sondern die Präsentation eines historischen Themas. Die Art und Weise, wie das geschieht, ist nicht auf den akademischen Spezialisten ausgerichtet, sondern auf den interessierten Besucher. Denn wer würde an den Forschungen Peter Moraws zur "Verdichtung" politischer Handlungsstrukturen im Spätmittelalter [2] geschult eine Ausstellung mit dem Wort Ricarda Huchs einleiten wollen? "Man lebte im Reich wie in einem sehr alten Bau, wo man zuweilen bei Nacht ein schauerliches Rieseln im Gemäuer zu hören und ein Schwanken unter den Füssen zu spüren glaubt". Bildet das Reich doch erst in dieser Zeit einen "institutionalisierten Dualismus" zwischen einer festeren Reichsorganisation und der kaiserlicher Herrschaft aus. Auch wird nicht jeder unter der Überschrift "Die Stände des Reiches" ein Tableau erwarten, das Bürger, Kaiser, regionalen Adel, Bischof und den Juristen ("ein umstrittener Fachmann") zu einer Einheit zusammenfügt. Hier geht es offenbar vorrangig um das Atmosphärische, nicht um präzise Beschreibung von Handlungsbedingungen.

Der Raum schliesst mit einer Darstellung der bäuerlichen Welt, zwecks Anschaulichkeit findet hier eine grosse Reproduktion von Cornelis van Dalen Verwendung - wie bei den anderen Bildern regiert kein strikter Bezug zu den Bauernunruhen und zum oberrheinischen Raum. (Cornelis van Dalen, selbst in einem kaufmännisch geprägten Kontext sozialisiert, schuf seine Werke in den Niederlanden). Anschaulichkeit und Charme gewinnt die grossflächige Reproduktion, indem sie mit Hilfe eines alten Schubkarren, Strohs und agrarischer Utensilien eine handgreifliche Komposition zu einer ländlichen Szene komplettiert. Gedeutet wird das Bild als Ausdruck des bäuerlichen Elends. Damit ist ein Übergang - inhaltlich wie räumlich markiert - geschaffen, der jetzt zur langgestreckten Flucht überführt, in der "Der Bundschuh" thematisiert wird.

In diesem eigentlichen Hauptteil werden ganz verschiedene Bezugspunkte zu den Aufständen des Joss Fritz und seiner "Nachfolger" angesprochen. Ein starker Akzent liegt anfangs auf den gewalttätigen Verfolgungen aufständischer Bauern durch die Herrschaftsträger; Tafeln informieren zuverlässig über "Joss Fritz: Leben und Zeit" oder Absichten und Forderungen des Bundschuhs von 1502. Gleichsam wie durch Lernhilfen oder Stichworte geführt erfahren die Besucher anhand von Stellwänden und reproduzierten Abbildungen, welche Bedeutung das Symbol des Bundschuhs errang und welche Merkmale verschiedene soziale Lagen z. B. die der Adligen, der Geistlichen oder der Vaganten charakterisierten. Suggestiv, fast im Stile einer modernen künstlerischen Installation präsentiert sich auf diesem pädagogischen Geschichtspfad Joss Fritz im Urteil der Zeiten - wiederum eine grosse Figur aus Pappe, die aus echtem Herbstlaub emporragt und umgeben wird von verschiedensten Zitaten. In ihnen kommen ein anonymer Bundschuhgegner seiner Zeit ebenso zur Sprache wie August Bebel als engagierter Parteigänger der revolutionären Sache. Diese Zitatensammlung kann für die Uneindeutigkeit der Interpretation historischer Figuren sensibilisieren und die sonst strikte Linie, den Helden Joss Fritz und die bäuerlichen Opfer darzustellen, relativieren.

In diesem räumlichen Zusammenhang finden sich auch die wenigen, aber überlegt ausgesuchten Exponate, die aus der behandelten Zeit stammen. Hier ist vor allem das Protokollbuch des Landschreibers Georg Brentz zu erwähnen, der schildert, "Wie sich ein buntschuch erhube und widder getilget warde". Wenig später trifft der Besucher in einer Vitrine auf ein Schreiben "die pettler berurend", das die Erkennungszeichen (Zinken) verdächtiger Personen (vgl. S. 237 im Begleitband) aufführt. Kombiniert mit einem Dolch soll das Dokument wohl die Suggestion eines echten Fahndungsszenarios nach den Aufständischen schaffen, halb anschauliche Spielerei, halb Spekulation. Angesichts der pädagogischen Ausrichtung wäre hier in jedem Fall eine Transkription der gezeigten Texte sinnvoll gewesen.

Natürlich fehlt nicht eine Auseinandersetzung mit dem zweiten Aufstand, zu dem Joss Fritz seine Mitstreiter in der Nähe Freiburgs bewegte, dem sogenannten Lehener Bundschuh 1513. In loser Verbindung zur Rezeption dieser Unruhen in der zeitgenössischen Publizistik sind einige Abbildungen und Exponate wie ein Exemplar von "Das Narrenschiff vom Bundschuh" versammelt. Das Bild einer Hinrichtungsszene signalisiert, wie blutig der Widerstand gegen die Herrschaft bezahlt werden musste. Was uns als brutale Verfolgung erscheint und erscheinen soll, wurde damals als Akt der Gerechtigkeit zelebriert. Schade, dass im Zusammenhang damit nicht ein echtes Hinrichtungsschwert gezeigt wird, das ja mit seinen zumeist programmatischen Inschriften auf der Klinge auf das Recht der Herrschaft verweist. Stattdessen sehen wir ein blankes Tötungsinstrument, ein Schwert des 16. Jahrhunderts aus dem Besitz eines anonymen Sammlers.

Gewalt von Seiten der Verfolger, Gewalt der aufständischen Bauern, damit ist der übergang zum Bauernkrieg assoziativ verbunden. Ein nachgestelltes Lager der Bauernkrieger, eher ein atmosphärischer Hinweis als sachdienlicher Informationsquell, kombiniert eine ganz unspezifische Szene mit Lagerfeuer, Speer und Hellebarden. Die sonst anklingende Tendenz, die Aufständischen zu Revolutionären in einem frühkapitalistischen Umfeld zu erklären, wird durch Auskünfte über "Der Bauernkrieg - kein Krieg der Bauern" klar relativiert. Ob man allerdings ganz im Stile jener Tradition von Intellektuellen als einer der beteiligten Gruppen sprechen kann, erscheint mir fraglich.

Die Ausstellung klingt aus mit einem Medienraum, in dem Schülerarbeiten zu Joss Fritz - das kulturelle Gedächtnis arbeitet - und eine Videodokumentation zum Themenkomplex zu sehen sind. In die Gegenwart entlassen wird der Besucher über einen intelligent gestalteten Ausgangsbereich. Hier verweisen Bücher, Bilder und Zeitungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert auf die vielfältige Rezeption des Joss Fritz und des Bundschuhs. Mit Joss Fritz lässt sich die Stimme der Heimat, so gut wie des Sozialismus oder Nationalsozialismus anschlagen. Selbst die DDR-Kulturschaffenden mochten nicht von ihm lassen.

Insgesamt eine historisch belehrende, ansatzweise wohl eher staatsbürgerliche gemeinte als historisch analytische Ausstellung, die ansprechen und einen ersten Eindruck von sozialen Bedingungen geben kann. Eine kohärente argumentative Linie, eigentlich bei einer Ausstellung, die auf berühmte Exponate verzichten muss, Pflicht, bleibt nicht immer strikt gewahrt. Die Ausstellung will nach eigenem Bekunden "Ursachen, den Verlauf und die Folgen der Bauernkriege hinterfragen (sic!)", "der Epoche und ihren Menschen ein vorurteilsfreies (sic!) Denkmal setzen, ohne sie auf einen Sockel der Verherrlichung zu heben" und schliesslich der Geschichte der Freiheitsidee huldigen. Vielleicht ein bisschen zu viel und nicht ganz auf den Punkt gebracht. Dennoch unverkennbar: hier wird mit grossem Eifer, Sachverstand und viel gutem Willen um die Vergegenwärtigung eine bedeutenden geschichtlichen Epoche gerungen und den Besuchern und Besucherinnen eine Tür zum Spätmittelalter geöffnet.

 

Der Katalog - die Publikation zur Ausstellung

Thomas Adam: Joss Fritz - das verborgene Feuer der Revolution. Bundschuhbewegung und Bauernkrieg am Oberrhein im frühen 16. Jahrhundert, Bruchsal 2002 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, 20). 320 S. mit zahlreichen, z.T. farbigen Abb., fester Einband. ISBN 3-89735-192-7. EUR 17,90.

Was als Katalog fungiert und auch so verkauft wird, ist eigentlich eine eigenständige Publikation, die sich ganz ohne die Ausstellung darbieten könnte. Das hier besprochene Buch übernimmt allerdings insofern die Funktion eines Katalogs, als es wohl alle in der Ausstellung verwendeten Illustrationen hier in sehr guter Qualität darbietet, vorstellt und ansprechend kommentiert. Der Autor, zugleich auch der Organisator der hier vorgestellten Ausstellung, verschreibt sich mit großen Engagement seinem Thema. über Joss Fritz, das ist ihm klar, kann eine Biographie eigentlich nicht geschrieben werden, zu wenig bietet die historische überlieferung, um aus der Person heraus die gesellschaftlichen Geschehnisse dieser Zeit zu deuten und zu erklären. Deswegen müssen allgemeine gesellschaftliche Zustände thematisiert und dann gleichsam ansatzweise auf das Drama des Mannes ausgerichtet werden. Und doch wird immer wieder einmal in den Darlegungen die Persönlichkeit des Joss Fritz als Rätsel dargestellt, das es zu lösen gelte.

Im flotten Stil führt der Autor in eine historische Welt ein. Dazu werden allgemeine Aussagen über die kulturellen Bedingungen in der Zeit um 1500 formuliert, aber auch detaillierte Recherchen über die sozialen Verhältnisse in Obergrombach, dem Geburtsort, Bruchsal und Lehen durchgeführt. In sechs Kapiteln wird zürst über die Voraussetzungen bäuerlicher Opposition, den Aufständen dieser Zeit bis hin zu den Bauernkriegen und dann schliesslich vom Nachleben des Joss Fritz bis ins 20. Jahrhundert berichtet. Mit guter Sachkenntnis historischen Materials zeichnet der Autor trotz aller Sympathie für Joss Fritz und seine Genossen nicht das Bild des bedrückten Bauern im Stile der Feudalismuskritik des 18. und 19. Jahrhunderts. Er weiss von vermögenden Bauern zu berichten, von der relativen Flexibilität herrschaftlicher Zumutungen, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass die Bauern selbstverständlich eine in vieler Hinsicht entrechtete soziale Lage ausleben und ertragen mussten. Nicht ganz so kritisch geht der Autor mit den Begriffen um, die das Aufbegehren der Männer um Joss Fritz klassifizieren sollen. Die Darstellung verfolgt dabei eher den Tenor, in dieser Zeit eine frühbürgerliche Revolution mit einer dementsprechenden Freiheitsbewegung zu sehen, ja Adam spricht auch von "Geheimbund" und "Untergrundorganisation" (S. 88); Joss Fritz ist "Berufsrevolutionär" (S. 85 u. 132).

Die Freiheit, um die der Autor seine Protagonisten ringen lässt, hat trotz mancher Relativierung (S. 94ff) zuweilen eher den Anschein eines
sozialrevolutionären Klassenkampfes. Bei seiner Schilderungen der Abläufe gleitet Adam mitunter in ein assoziatives Räsonieren, zuweilen auch Spekulieren, das nicht immer überzeugt. So beginnt er einmal seine Darlegungen zur Charakteristik des Joss Fritz als eines politischen Führers (S. 90ff) mit einem Zitat des Meister Eckeharts, der über "Wunder tun mit Worten" sprach, klassifiziert dann Joss Fritz als charismatischen Führer, blickt dann auf die "hysterischen Wellen der Heiligenverehrung", die "über das Land brandeten", attestiert seinen Bauern "dumpfe" Sinnesart, sieht sonach in der volkstümlichen Gebetssymbolik "viel Mittelalterliches" etc. Solche losen argumentativen Verbindungen bündeln Deutungen und Informationen zu ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten. Darunter leidet das argumentative Profil, und das Buch wird passagenweise zu einem reichlich gefüllten Sammelbecken mehr oder minder bedenkenswerter Überlegungen. Schlüssig ist der Autor überall dort, wo er aus genauer Kenntnis konkreter Überlieferung lokale Zustände rekonstruiert. Man bedauert dabei nur, dass der Autor auf Fussnoten verzichtet hat, so dass die Weiterarbeit mit seinen Ergebnisse schwieriger als nötig ist. Auch ein Register wäre nützlich gewesen.

Die im Buch gezeigten Illustrationen sind zahlreich, durchweg sehr ansprechend und liegen durchaus ausserhalb des ikongraphischen Kanons, der sich um das Thema Bauern und Bauernkrieg natürlich längst gebildet hat. Als ein Buch, das gerade nicht akademische Diskussionen fortführen, sondern dem Publikum auf hohem Niveau Informationen geben und ein Zeitpanorama zeichnen will, überzeugt diese Publikation. Besonders bemerkenswert scheint mir das letzte Kapitel, das wie in der Ausstellung von den verschiedenen Vereinnahmungen des Joss Fritz berichtet, wenn auch ohne die Gelegenheit zu nutzen, den eigenen Blick zu historisieren. Die Lektüre dieses Kapitels sei allein schon deswegen empfohlen, weil man erfährt, wer (S. 279) zur Zeit der nationalsozialistischen Machthaber als "der Adolf Hitler des Mittelalters" gelten konnte.


Die Ausstellung im Internet: www.bundschuh-web.de

Nach der attraktiven ersten Seite wird man zu einer vertrauten Werbegrafik weitergeleitet, die Informationen und Angebote zum Gedenkjahr in Bruchsal sammelt. Dort erhält man sein "Willkommen auf der Bundschuh-Website der Stadt Bruchsal". Im Stile eines Gemeindeboten, der das Feierjahr annonciert und vermarktet, werden eine Reihe nützlicher Informationen zusammengetragen.

Zwischen Veranstaltungen, deren Reihe noch weit bis ins Jahr 2002 hineinreicht, Grussworten und einer pointierten historischen Hinführung zu Joss Fritz findet sich der Verweis auf die Ausstellung (http://www.bundschuh-web.de/frame1.htm). Ein eigenes Icon lenkt den Benutzer. Die Ausstellung selbst bleibt blass, spielt eigentlich keine Rolle; ihre Rezeption in der regionalen Presse und vor allem das hier auch vorgestellte Buch von Thomas Adam wird mit Nachdruck unter anderem mit ausführlichen Leseproben verschiedener Kapitel präsentiert.

Ein kurzer Blick auf die Grussworte zur Ausstellung ermöglicht eine leichte Situierung von Joss Fritz als Thema des kulturellen Gedächtnisses (http://www.bundschuh-web.de/jubi.htm). Ein politischer Gegenwartsbezug ist Pflicht. "Denn Joss Fritz ist eine Gestalt nicht nur der Geschichte von Untergrombach, Bruchsal oder der näheren Umgebung. Er ist vielmehr eine Gestalt der deutschen Geschichte überhaupt." Warum wirkt manches in der Schilderung nur so nah und modern, obwohl dieser Held doch der Geschichte gehört? Es klingt wie ein fürsorgliches Angebot an unsere politischen Mandatsträger, wenn die Organisatoren formulieren, dass die Rebellion "auch unter aktuellen politischen Gesichtspunkten" zu befragen sei und dass der Aufstand herbeigeführt worden sei durch "eine immer weitergehende Belastung des Landvolks durch Abgaben, eine aufgeblähte Hierarchie und komplizierte juristische Ordnungsstrukturen" und "zu einer im Kern konservativen Revolution" deklariert werden müsse?

Ministerpräsident Teufel hat nach eigener Aussagen "eine besondere Freude" darüber empfunden, "die Schirmherrschaft für das Gedenkjahr zu Ehren des Bauernführers Joss Fritz zu übernehmen (http://www.bundschuh-web.de/gruss3.htm). Ihm ist der Bundschuh eine
Bewegung, die "gegen die schleichende Entmündigung des Volkes und gegen eine als ungerecht empfundene Gesellschaftsordnung aufzustehen bereit war." Der Ministerpräsident beschwört in seinem Grusswort einen Landesgeist aus tiefem Boden, ja er spricht von den "vielfältigen geschichtlichen Wurzeln" "unseres Landes", wenn er das Landesjubiläum "50 Jahre Baden-Württemberg" und die Bauernerhebung 450 Jahre vor der Konstitution Baden-Württembergs zusammenbringt. Denn es seien die "Freiheitsbewegungen im deutschen Südwesten, die Bauernkriege ebenso wie die badische Revolution von 1849, die "zum Wertvollsten aus dem historischen Nachlass unseres Landes" gehörten.

Nach so eindeutig formulierten Identifikationsgeboten darf man mit Spannung erwarten, wie die von Prof. Dr. Peter Blickle geleitete Tagung am 11.-13. April 2002 "Untergrombach 1502: Das unruhige Reich und die Revolutionierbarkeit Europas" zwischen Belangen akademischer Forschung und den Bedürfnissen öffentlichen Gedenkens vermittelt. (Für das Programm s.u. http://www.bundschuh-web.de/11aprprog.htm)


Anmerkungen:
[1] Landesausstellung Baden-Württemberg 2001 "Spätmittelalter am Oberrhein" (Karlsruhe, 29.9.2001-3.2.2002). Ausstellungsbesprechung für "Museum Professionals" und Virtual Library Museen von Katrin Westermann, M.A., Universität Bamberg. URL: http://www.hclist.de/pipermail/museum/2001-November/000640.html

[2] Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Das Reich im späten Mittelalter 1250-1490, Berlin 1985 [Propyläen Geschichte Deutschlands, 3].



 VL Museen
Alle Rechte beim Autor und VL Museen
Dokument erstellt am 14.4.2002