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Ausstellungsbesprechung

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Erzherzog Carl Krone, Schwert & Schaukelpferd. Die anderen Habsburger
Milleniumsausstellung im Schloss Halbturn, Burgenland
12. Mai 2000 - 21. Oktober 2000

Katalog:
Krone, Schwert & Schaukelpferd. Die anderen Habsburger. ATS 180,--

Rezensiert von:
Ruth Koblizek, Wien


Ausstellungskonzept

Die Besitzer von Schloss Halbturn sind Nachfahren Erzherzogs Friedrich, die durch die Enteignungen nach dem 1. Weltkrieg in Ungarn aufgewachsen sind und heute im alten Stammsitz in Halbturn Zuflucht und Heimat gefunden haben. Deshalb ist es vor allem Intention, diejenigen Habsburger zu zeigen, die in direktem Bezug zum Ausstellungsort Schloss Halbturn und zum heutigen Besitzer stehen. Das waren die Erzherzöge und Feldherrn Carl, Albrecht und Friedrich, die sogenannten „Ehernen Erzherzöge".

Die Ausstellung soll aber auch die andere Seite der militärisch tätigen Erzherzöge zeigen. So führte Carl eine harmonische Ehe, hatte sechs Kinder und war auch als Wissenschafter und Mäzen tätig. Somit beschäftigten ihn drei Lebensbereiche: Militär/ Beruf - Ehe/ Familie - Wissenschaft.

Diese Vielzahl von Lebensbereichen soll auch der Titel „Krone, Schwert & Schaukelpferd" kennzeichnen. Die Erzherzöge standen als Berater dem Kaiser, also der „Krone", zur Verfügung, bekleideten die höchsten militärischen Ämter und verteidigten somit Staat und Dynastie mit dem „Schwert" oder pflegten ihren Neigungen und Familien, symbolisiert als „Schaukelpferd".

Um 1800 waren 18 habsburgisch-lothringische Prinzen am Leben. Eine fast nicht mehr erwartete gute Entwicklung, war doch einst der Fortbestand der Habsburgerdynastie stark gefährdet gewesen. So hatte Karl VI. nur weibliche Nachkommen und von den fünf Söhnen Maria Theresias hatten nur zwei Kinder.

Immer wieder traten die Erzherzöge besonders hervor, wie Leopold, Großherzog von Toskana, der „Kaiser Leopold II." wurde, sein Sohn Franz zu „Kaiser Franz" und Begründer der neuen Hauptlinie des Hauses Habsburg. Erzherzog Johann ist als der „steirische Prinz" bekannt und Erzherzog Carl als „Sieger von Aspern" über Napoleon.

Durch Exponate aus Museen und durch private Gebrauchsgegenstände, private Fotos und Spielzeug der Familie Habsburg werden die historischen Persönlichkeiten einer Familie, die Europas Geschicke durch Jahrhunderts beeinflusst hat, anschaulich dokumentiert.

Im Konzept gewollt war auch die Einbindung zeitgenössischer slowakischer Künstler, deren Arbeiten einen direkten Bezug zu den in der Ausstellung präsentierten historischen Personen und Themen haben sollten. So äußern die Ausstellungsmacher im Katalog selber: „Die ausgestellten Werke slowakischer Künstler verschiedener Generationen spiegeln das Heute, die Bewältigung der Vergangenheit in konstruktiver, menschlicher und künstlerischer Entwicklung."

Im netten Ambiente der renovierten Schlossanlage in einer großflächigen Parkanlage und mit einem nahen guten Restaurant sind die besten Voraussetzungen für regen Besucherstrom gegeben. Zusätzlich werden „edle Tropfen" aus der Schlosskellerei angeboten und Schlosskonzerte (von 01.07. - 19. 08. 00, jeweils Samstag 19:30 Uhr) angeboten.

Präsentation

Die Gehrichtung ist nicht vorgegeben, auch keine Nummern bei den Beschriftung führen einen. Sie ergibt sich durch die Anordnung der Objekte mehr automatisch.

Die Objekte (Porträts, Nutz- und Ziergegenstände dieser Zeit und zeitgenössische Texte) sind locker präsentiert und bieten so die Gelegenheit, sich jedes Objekt in Ruhe anzusehen. Positiv sind die vielen aus Privatbesitz stammenden Leihgaben. Sicher eine Gelegenheit, sich private Gebrauchsgegenstände und Fotos anzusehen, die sonst nur im engsten privaten Kreise der Leihgeber gezeigt und aufbewahrt werden.

Die Ausstellungsobjekte sind durchmischt mit Skulpturen und Gemälden zeitgenössischer Künstler, die sich von den Ausstellungsobjekten inspirieren ließen. Die Idee ist originell und ist sicher eine gute Gelegenheit für die jungen slowakischen Künstler, allerdings sind die Objekte eher irritierend inmitten der Ausstellung.

Einzig der rote Faden in der Präsentation fehlt. Die Objekte und Personen scheinen relativ wahllos angeordnet zu sein. Man kann nur vermuten, dass eine Gliederung der Präsentation nach der Zeit erfolgte. Leider gibt es keine Konzeptionstafel. So ist es einem schwer verständlich, warum ein ganzer Raum nur über ungarische Güter oder über den 1. Weltkrieg handelt. Eine Darstellung pro Raum konzentriert auf je eines der drei wichtigsten Ehepaare (wie in dem kleinen Folder so gut dargestellt!) hätte den Zugang erleichtert. So hat man die Schwierigkeit, die richtigen Gatten zu finden, da sie nicht gleich nebeneinander dargestellt sind.

Unter anderem bietet der 2. Raum mit den vielen Fotografien zwar viele Einblicke in Schloss und Umgebung, lässt den Betrachter aber raten, wer die Fotos denn nun gemacht hat. Ein Foto zeigt Erzherzogin Isabella mit einem Fotoapparat bzw. wird drei Räume weiter erwähnt, dass sie sehr gut fotografierte - also war sie wohl die Fotografin. Bezeichnet ist es leider nicht.

Die angebrachten Informationstafeln mit den Biographien etc. sind sehr informativ und inhaltlich gut gemacht, allerdings wäre eine größere Schrift und größere Tafeln wünschenswert gewesen.

Die Abschlusskarte mit dem Vergleich Habsburgermonarchie und neues Österreich nach dem 1. Weltkrieg ist gut gemacht und informativ.

Der „Apfelbaum" zu Beginn der Ausstellung bietet neben einem informativen Blick, wer den mit wem verheiratet war und wie verwandtschaftlich verbunden, auch eine interessantes Fragespiel. So gibt es die Möglichkeit Fragen, die auf Äpfeln gestellt werden (u. a. welcher Feldherr lernte auch ein Handwerk? welcher Erzherzog baute den Tennisplatz? Wer brachte den Christbaum nach Wien?) durch einen Druck auf einen daneben angebrachten Knopf zu beantworten - denn dann leuchtet der Name im Stammbaum auf, der richtig ist.

Als ein witziger Einfall sind die „sprechenden Figuren" zu erwähnen, die eine interessante Alternative der Darbietung von Informationen bieten und hoffentlich noch öfter Anwendung finden. Diese Figuren sind verhüllte Lautsprecher, die als Drapierung eine lebensgroße gemalte Person darstellen, die als eine Art „Zeitzeuge der Erzherzöge" fungieren. So berichtet ein Soldat von der Schlacht bei Aspern und dem Mut seines Feldherrn Erzherzogs Carl oder ein Landmann über die Ermordung des Thronfolgers Ferdinand in Sarajewo. Das Kindermädchen erzählt über die Spiele der Kinder der Erzherzöge und die Zofe der Prinzessin Henriette, wie sie den Christbaum nach Wien gebracht haben. Die Texte schalten sich alle paar Minuten automatisch ein - Empfehlung: unbedingt anhören.

Im Vorraum befindet sich eine Zeittafel, die den zeitlichen Bogen der Ausstellung von 1722 bis 1922 in historische Ereignisse gliedert. Daneben rankt sich in Form eines Apfelbaumes der Stammbaum der Erzherzöge, beginnend mit Leopold II.

Im ersten Saal werden die Erzherzöge Carl, Leopold II., Albrecht und Franz II. vorgestellt.

In Saal 2 hängen an den Wänden zahlreiche Fotografien vom Schloss (Innen- und Außenaufnahmen) und Umgebung um 1900, die Erzherzogin Isabella, die Gattin Erzherzogs Friedrich, großteils selbst mit der Kamera fertigte.

Der dritte Saal widmet sich vor allem Erzherzog Albert von Sachsen-Teschen, der als Gründer der Albertina gewürdigt wird. Dies geschieht durch eine prächtige Auswahl von Objekten aus der graphischen Sammlung der Albertina (von Albrecht Dürer: „zum Gebet gefaltete Hände, Blaurackenflügel, Feldhase" oder von Rubens: „Porträt Sohn Nikolaus" oder Michelangelo Buonarroti „stehender männlicher Rückenakt").

Saal 4 ist der renovierte Festsaal des Schlosses mit den Fresken von Maulbertsch.

Im Saal 5 wird das Kronland Ungarn gewürdigt, vor allem die Herrschaften Bellye, das besonders beliebt als Jagdgebiet war, und die Herrschaft Ungarisch-Altenburg, die beide im Besitz Erzherzog Carls waren.

Der Saal 6 widmet sich ganz dem Familienleben der Erzherzöge um 1900 (Eugen, Friedrich, Ferdinand und Karl) und ihren Frauen, wobei besonders Erzherzogin Isabella und Henriette genannt werden. Es finden sich Geschirr, Kinderspielzeug und Familienfotos. Fast schon als Bruch befinden sich an einer Wand Uniformen und Waffen des 1. Weltkrieges.

Saal 7 widmet sich allein der Politik am Balkan und dem ersten Weltkrieg. Schwerpunkt liegt dabei auf Erzherzog Karl.

Katalog:

Für ATS 180,-- ist der angebotene Katalog (nur in Deutsch) reichlich dünn, enthält allerdings zahlreiche Farbabbildungen und Hochglanzseiten und hat ein handliches Format. Er ist kein reiner Objektkatalog, sondern die drei Erzherzöge Carl, Albrecht und Friedrich werden nacheinander mit ihren Lebensläufen vorgestellt. Somit erfolgt die Reihenfolge der leicht zu lesenden Texte nach den Personen. Der Katalog hat also anderes Konzept als die Ausstellung, da er zusätzlich die Entstehung des Ausstellungstitels schildert und weitere Beiträge, wie den der Erzherzogin Alice. Diese schildert die 120 Jahre aus der Sicht der Familie und nimmt Bezug auf ihre Eindrücke und Erlebnisse.

Die Hommage an die Frauen der Erzherzöge bedient sich absatzweise eines pathetischen Stiles, der für einen wissenschaftlichen Katalog nicht ganz so passt - aber er verlangt auch nicht diesen Anspruch, weshalb man die Sprachwahl mehr dem Überschwang zuschreiben mag. Interessant ist in diesem Beitrag die wiederholte konkrete Bezugnahme auf Schloss Halbturn, wodurch das Gebäude mit zum Objekt der Ausstellung wird.

Bedeutende Autoren wie Manfred Rauchensteiner und Georg Kugler schrieben Beiträge über die Biographien der Erzherzöge. Die Texte sind inhaltlich interessant und bieten einen guten Einblick in die Personen der „Ehernen Erzherzöge Carl, Friedrich und Albrecht". Allerdings wiederholen sich die Inhalte der Texte öfters, was etwas von der Spannung nimmt.

Am besten geschrieben und gemacht ist der kleine Informationsfolder über die Ausstellung, der gratis aufliegt. Neben den wichtigsten Eckdaten über die drei ehernen Erzherzöge und ihren Frauen und gute Abbildungen ihrer Porträts wird auch kurz das Konzept der Ausstellung vorgestellt. Auf der Rückseite die gleichen Abbildungen, die Texte leicht gekürzt in Englisch und Ungarisch. Zum Einstecken ideal und als Erinnerungsobjekt mit Informationsgehalt verwendbar.


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Dokument erstellt am 31.8.2000