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Ausstellungsbesprechung

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Melker Kreuz Die Suche nach dem verlorenen Paradies. 
Europäische Kultur im Spiegel der Klöster

Niederösterreichische Landesausstellung 2000
Stift Melk
15. April - 15. November 2000

Internetadressen: 
http://www.stiftmelk.at
 
http://www.noe.gv.at/service/k/k1/landesausstellung.htm

Katalog zur Ausstellung: Elisabeth Vavra (Hg.), Die Suche nach dem verlorenen Paradies. Europäische Kultur im Spiegel der Klöster (Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums Neue Folge Nr. 428, St. Pölten 2000)

Rezensiert von:
Thomas Just,
ORF - Österreichischer Rundfunk


Das Stift Melk zählt zu den international bekanntesten Bauwerken Österreichs. 1089 besiedelten die ersten Benediktinermönche die ehemalige Residenz der Babenberger. Das Stift wurde in seiner heutigen Form von Jakob Prandtauer unter Abt Berthold Dietmayr in den Jahren 1702 bis 1726 um- und teilweise neugebaut. Die Weihe der neuen Stiftskirche erfolgte 1746.

Bereits zweimal war das Stift Gastgeber für internationale Grossausstellungen: 1960 fand die erste niederösterreichische Landesausstellung mit dem Titel "Jakob Prandtauer und sein Kunstkreis" statt. 1980 widmete sich das Land Niederösterreich und das Stift dem Thema „Österreich zur Zeit Kaiser Josephs Beide Ausstellungen waren ein großer Publikusmerfolg. Die Barockausstellung verzeichnete über 380.000 Besucher, "Joseph II." gelang es mehr als 400.000 Besucher in seinen Bann zu ziehen.

Im Jahr 2000 galt es nun das Jubiläum "40 Jahre Niederösterreichische Landesausstellungen" zu feiern. Bei den bisherigen Landesausstellungen in Niederösterreich gelang es mehr als 7 Millionen Besucher anzulocken. Es lag nahe mit einer Ausstellung an den Ausgangspunkt dieser Erfolge zurückzukehren. So widmete man sich nach dem Erbauer des Stiftes und dem Kaiser, dessen Regierungszeit für so manches Stift das Ende bedeutete, nun dem Thema "Die Suche nach dem verlorenen Paradies. Europäische Kultur im Spiegel der Klöster". Passend dazu ging die Renovierung des Stifts Melk zu Ende, so dass es sich in vollem Glanz den Besuchern präsentieren konnte.

Inhaltlich gliedert sich die Ausstellung in drei Teile: 
Teil 1 handelt von den "Bildern vom Paradies", Teil 2 widmet sich der "Suche nach dem Paradies" und der dritte Teil verspricht den Besuchern "Das Paradies auf Erden". 

Der erste Teil wird in den barocken Weinkellern des Stiftes präsentiert. Der Bogen spannt sich von den Themen "Chaos", "Schöpfung", "Paradies", "Verlust des Paradieses" zu  "Jenseitsvorstellungen". Hier wird die Entstehung des Christentums dargestellt. Von diesen Themen leitet der Weg den Besucher weiter in die verscheidenen Gründungsgeschichten der Orden und behandelt die verschiedenen Regeln des Zusammenlebens der klösterlichen Gemeinschaften. Dargestellt wird dies anhand der exemplarischen Präsentation bekannter europäischer Klöster. Die Klöster sind hierbei durch wertvolle Handschriften und/oder Objekten aus den jeweiligen Klosterschätzen vertreten.Wobei die Sinnfrage zu stellen ist, ob es relevant ist Originalhandschriften zu zeigen, die nach einer gewissen Zeit aus konservatorischen Gründen ausgetauscht werden müssen und der Besucher dann eben nur mehr einen Zettel mit dem Hinweis auf die entnommene Handschrift oder eben eine Reproduktion vorfindet. Auch wenn man immer wieder die Argumentation vom "Reiz des Originals" hört, ist es meiner Meinung nach aus konservatorischen und finanziellen Gründen vertretbar und notwendig, verstärkt auf Reproduktionen zu setzen.

Das Leben im Kloster selbst wird in der Ausstellung nachlässig dargestellt. Zwar erfährt der Besucher einiges über die Ordensregeln, aber präzisiert wird dies nicht. Das Zusammenleben von Ordensgemeinschaften war zwar durch diese Regeln vorgegeben, doch wäre es wohl interessant gewesen, anhand praktischer schriftlicher und bildlicher Zeugnisse dieses Leben für den Besucher besser fassbar und vorstellbar zu gestalten.

Das eigentliche "Highlight" der Ausstellung ist aber das prächtig renovierte Stift Melk selbst. Nachdem der Besucher die Weinkeller verlassen hat, wird er in die Prälatur und in die Kaiserzimmer. Hier verschwinden die vorgegeben Themen "Das Wort verkünden", "Den Besitz nützen", "Gott suchen", "Den Menschen dienen", "Gott in allem verherrlichen" und "Die Schöpfung erforschen" fast völlig hinter der Präsentation der Stiftsräumlichkeiten. Etwas befremdlich wirkt die seltsam kritiklose Darstellung der Mission in Südamerika. Diese firmiert hier vor allem unter dem Aspekt der Erforschung des Kontinents, an der Mönche führend beteiligt waren. Eine kritische Hinterfragung der Mission und ihrer Folgen für die verschiedenen Ethnien des Kontinents war anscheinend nicht gefragt.

Von den Prunkräumen gelangt der Besucher in die Bibliothek des Stiftes Melk. Um den riesigen Raum nicht ganz sich selbst zu überlassen, wurde aus jedem Jahrhundert des Bestehens des Klosters eine Handschrift ausgestellt. Eine hübsche Idee, die unter dem Motto „Das Wissen sammeln“ firmiert. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, die zahlreichen selten zu sehenden Handschriften, die im Teil "In die Schreibstuben" im Weinkeller präsentiert wurden, hier gemeinsam mit den Melker Beständen zu zeigen. Der Weg führt den Besucher nun weiter in die Stiftskirche. Von dort gelangt man wieder in den Prälatenhof des Stiftes und wandert in den dritten Teil der Ausstellung, den Park des Stifts. Dieser Teil ist schon deswegen von Interesse, da der Park lange Zeit verwildert war und nun renoviert wurde. Mit zeitgenössischen Installationen versucht man hier den Garten als Abbild des Paradieses, als Garten Eden für die Besucher begreifbar zu machen. Ein Vorhaben, das durchaus gelingt.

Abschliessend kann gesagt werden, dass mit der heurigen Niederösterreichischen Landesausstellung den Veranstaltern sicher wieder ein grosser Publikumserfolg gelungen ist. Als Besucher fühlt man sich von der Menge der Exponate allerdings schlichtweg erschlagen. Weniger wäre hier mehr gewesen. Man hätte mehr auf Multimedia, Film und moderne Präsentationstechniken setzen sollen. Kritisch anzumerken bleibt, dass auf einen Blick auf klösterliche Traditionen in anderen Religionen beinahe vollständig verzichtet wurde. Endlich entscheiden über den Erfolg einer Ausstellung immer die Besucher. Und diese strömen zahlreich ins Stift.


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Dokument erstellt am 26
.10.2000