VL Museen

Ausstellungsbesprechung

screen 1

screen 2

Augsburgs Glanz im Internet
Die Augsburger Ausstellung über Adriaen de Vries im Internet

http://www.adriaen-de-vries.com

Rezensiert von:
Christian Gries,
JANUS-Kulturdienst München

Rezension der Ausstellung
von Ulrich Kirstein, München


Am 10. März eröffnete Bundespräsident Johannes Rau die Adriaen de Vries Ausstellung im Augsburger Maximiliansmuseum. Rund vier Wochen vorher stellten die städtischen Kunstsammlungen und die Infomatec Media AG den Internetauftritt des berühmten Bildhauers vor. Unter der Adresse www.adriaen-de-vries.com können sich Besucher aus der deutschsprachigen Welt online über die sehenswerte Ausstellung informieren.

Neben praktischen Angeboten wie Hinweisen zur Anfahrt und allgemeinen Terminen bieten die umfangreichen und opulent gestalteten Internetseiten die Möglichkeit einer interaktiven Führung durch die Ausstellung bzw. einer Zeitreise in das 16. Jahrhundert und Einblicke in das wiedereröffnete Maximilianmuseum.

"Für die Stadt Augsburg ist es auch etwas Neues, eine Kunstausstellung im Internet zu bewerben", so Kulturreferent Ekkehard Gesler bei der Präsentation. Immerhin ist die Adriaen de Vries Ausstellung eine Werkschau von internationalem Charakter. Die in 3 Monaten von dem Webdesigner Stefan Joachim konzipierte Präsentation (Materialsammlung Kunstsammlungen Augsburg) ist eine Sponsoringleistung des Augsburger Medienunternehmens Infomatec Media AG, die sich als Anbieter moderner und richtungsweisender Kommunikationslösungen für Unternehmen aller Art versteht. Die Zugriffszahlen von 100 Benutzersitzungen am Tag und ca. 40.000 Siteimpressions bis Mitte April machen den Erfolg dieser Website deutlich, die das Informations- und Kommunikationangebot der Ausstellung sinnvoll ergänzt. Schade eigentlich, dass die Website nicht auch offline vertrieben wird und auf CD-ROM in der Ausstellung erworben werden kann. Das umfangreiche, in die Website eingebundene Audio- und Filmangebot (Real Player) wäre dann bequemer und für den ladezeitempfindlichen User kostengünstig verfügbar geworden.

Die Website ist stringent programmiert und übersichtlich konzipiert. Nach dem Einloggen eröffnet sich am oberen Bildrand ein Hauptmenü, das bequem zu den Unterpunkten verzweigt:

Der virtuelle Besuch startet in der „Empfangshalle", wo ein kurzer Real Video über die Ausstellung abgerufen (der trotz mehrmaliger Anforderung nur in sehr zweifelhafter Wiedergabe kam) und neben einer Kurzbeschreibung der Menüpunkte, Hinweisen zur Anfahrt und Eintrittspreisen auch die Biographie von Adrian de Vries nach dem Katalogbeitrag von Frits Scholten studiert (sieben HTML-Seiten) oder für Mac und PC heruntergeladen werden kann.

In der "Online-Ausstellung" sind Informationen und Bilder zu ausgewählten Exponaten wie den einzelnen Brunnenfiguren, Bronzegruppen, -figuren und -modellen, Reliefs und Zeichnungen eingebunden. Diese Kategorisierung erscheint allerdings ein wenig kurios, da vielfach einzelne Figuren zu Gruppen gehören und die meisten Exponate, egal ob Brunnen-, Einzel- oder Gruppenplastik auch als Bronzefiguren zu bezeichnen sind. Sinnvoller wäre wohl eine Unterscheidung nach Groß- und Kleinplastik bzw. Brunnenfiguren, Gartenfiguren und Kunstkammerstücken. Die einzelnen Exponate werden dann mit Bild, Kurzbeschreibung und Hinweisen zu Datierung und verbleib aufgeführt. Die Auswahl der in der Website gezeigten Stücke bleibt fragmentarisch, beinhaltet aber die wichtigsten Stücke.

Von der Ausstellung gelangt der User zu den „Terminen" mit Hinweisen auf das kulturelle Rahmenprogramm, Vorträgen und einem sehr differenzierten Führungsprogramm (mit Möglichkeit zur Online-Buchung).

Der nächste Programmpunkt eröffnet eine „Zeitreise" in das 16. Jahrhundert und erschließt das historische Umfeld des Künstlers und seiner Augsburger Zeit. Auf einer Zeittafel werden die wichtigsten flankierenden historischen Daten vom Augsburger Religions- und Landfrieden (1555) bis zur Landung Gustav II. Adolfs von Schweden in Pommern (1630) aufgeführt. Weitere Seiten informieren in Kurztexten über berühmte Zeitgenossen (Miguel de Cervantes, Kaiser Rudolf II., Sir Francis Bacon, Galileo Galilei, Jakob Böhme, Johannes Kepler, Peter Paul Rubens, Claudio Monteverdi, Albrecht von Wallenstein) und das Leben zwischen den Fuggern und Welsern in der Handelsstadt Augsburg. Ein wenig hochgegriffen erscheint der Titel der Seite „Mensch und Gesellschaft", die sich dann in Ausführungen über Kleidervorschriften der einzelnen Stände erschöpft.

Die filmische Zeitreise entlarvt sich als Real Video, das über einen Download des Real Players angesehen werden kann. Bis Mitte April hatten ca. 350 User dieses Angebot wahrgenommen und das Video im kleinen Fenster des Players betrachtet.

Der letzte Programmpunkt ist dem Augsburger Maximilianmuseum gewidmet, das sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit der Ausstellung nach umfassenden Renovierungsarbeiten in neuem Gewand zeigt. Informative Texte über Baugeschichte, bauliche Konzeption, Bauzeit und die Neueröffnung sowie zahlreiche Abbildungen dokumentieren die architektonisch beeindruckende Atmosphäre im jetzt von einer gläsernen Dachkonstruktion überspannten Innenhof des Hauses. Von hier aus liefert auch eine Webcam alle 60 Sekunden neue Bilder über die Besucher im Innenhof des Museum.

Die am Corporate Design der Ausstellung orientierte Website ist in ihrem doch enormen Umfang und der durch Audio- bzw. Videoeinspielungen bewiesenen Multimedialität eine lohnende Ergänzung der Präsentation. Mag manchem User die Hightech-Umgebung mit Webcam und Streaming-Video im Angesicht eines Künstlers aus dem 16.Jahrhundert als selbstverliebte Überfrachtung erscheinen, - sie macht die Ausstellung in jedem Fall lebendig und attraktiver. Inhaltlich wäre vielleicht eine (Quicktime-) Animation mit der Möglichkeit zum interaktiven Drehen einer Plastik dem Medium der auf Allansichtigkeit konzipierten Großplastik sicher näher gekommen. Wieder einmal kann dem Produzenten einer solchen Präsentation nur eine Beratung mit einem medienerfahrenen Kulturwissenschaftler nahegelegt oder aber den Ausstellungsmachern die Möglichkeiten einer solchen Website ins Bewusstsein geschrieben werden.
Dem Augsburger Unternehmen Infomatec Media AG als Sponsor der Website ist in jedem Fall für das bewiesene professionelle Engagement zu danken. Mit Blick auf den Augsburger Kulturreferenten bleiben der Website wie der Ausstellung nur noch enorme Besucherzahlen zu wünschen.


© VL Museen
Alle Rechte beim Autor und VL Museen
Dokument erstellt am 21.4.2000